Erster Eindruck: Olympus OMD E-M5 Mark II

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Es ist gut ein Jahr her, das ich den Schritt in das Micro Four Thirds System gewagt hatte, nachdem ich zuvor immer dem Sony-System (zuvor Minolta) treu gewesen war. Die damals gekaufte Panasonic GX7 hat mich seitdem nicht enttäuscht. Sie war mit dabei auf einem Städtetrip nach Istanbul, einem Wochenende in Antwerpen, im Technikmuseum Sinsheim, den Hochmooren von Belgien, in Kenia und in Dubai und zuletzt vor einer Woche in Lissabon. Meine Erfahrungen mit der GX7 haben dazu geführt, dass ich meine Sony-Ausrüstung nunmehr verkauft habe und nur noch mit dem Micro Four Thirds System fotografiere.

Da ich gern mit 2 Kameras arbeite, war aber von Anfang an klar, dass die GX7 noch einen Begleiter braucht. Zwar hatte ich seit August auch noch eine Panasonic G5, welche ich zusammen mit einem Reisezoom gekauft habe, da das Zoom allein mehr gekostet hätte. Und obwohl die G5 ebenfalls in der Lage ist sehr gute Aufnahmen zu produzieren, bietet sie mir doch nicht den Grad an Bedienungskomfort und Funktionen, den ich mir von einer Kamera wünsche.

Nun wäre es logisch gewesen, eine zweite, bessere Panasonic zu kaufen, aber eines der Kriterien, die ich an einer Kamera besonders schätze, ist der eingebaute Bildstabilisator. Und hier ist die GX7 die einzige Kamera von Panasonic mit dieser Funktion. Es gibt aber noch einen zweiten großen Hersteller im Micro Four Thirds System, dessen Spezialität genau der eingebaute Stabilisator ist: Olympus. Im letzten Jahr hatte ich mich gegen Olympus und für die GX7 entschieden, da die GX7 kompakter ist als die OMD-Modelle von Olympus, eine bessere Integrierung des Touchscreens hat und vor allem den elektronischen, völlig laut- und vibrationslosen Auslöser.

Meine zweite Kamera sollte nun aber eine Olympus OMD werden, wobei die E-M10 und die E-M5 (Mark I) ausschieden. Die E-M5 daher, dass sie mittlerweile schon recht lang am Markt war und ihr einige Funktionen wie das Fokus Peaking fehlen und die E-M10, da sie nur einen drei-Achsen-Stabilisator hat und auch beim Sucher nur den alten der E-M5. Es blieb also nur die E-M1, bis Olympus Anfang Februar 2015 die Olympus OMD E-M5 Mark II angekündigt hatte.

Die Kamera bietet zwar sensortechnisch nichts neues im Vergleich zur E-M1 und E-M10, hat aber ein verbessertes Layout, einen ausklappbaren Bildschirm, einen elektronischen Verschluss und einen verbesserten Bildstabilisator. Ansonsten hat sie sich die meisten Funktionen und Austattungsmerkmale der E-M1 geborgt, wie den hochauflösenden Sucher. Die einzige wesentliche Funktion, welche im Vergleich zur E-M1 fehlt, ist die Möglichkeit des Phasenautofokus, welche die Nutzbarkeit von alten Four-Thirds-Objektiven an der E-M1 verbessert (schnellerer AF).

Nach der Ankündigung und dem Lesen etlicher Previews habe ich einen Tag später die E-M5 Mark II vorbestellt und sie nun endlich vor 2 Tagen erhalten. Die letzten 2 Tage kam ich noch nicht wirklich zum Fotografieren, so dass dieser Bericht die Bildqualität noch außen vor lässt (es wäre aber eine Überraschung, wenn sie von der der E-M10/E-M1 abweicht). Stattdessen will ich meine ersten Eindrücke schildern, wie die Kamera in der Hand liegt, sich bedienen lässt und welche Einstellungen ich vorgenommen habe.

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Ich habe die Kamera im Kit mit dem 12-40mm f2.8 Objektiv erworben und bereits beim Auspacken wird klar, dass es sich hier nicht um ein Einsteigerprodukt handelt. Die Kamera ist absolut massiv und hochwertig gefertigt und das Objektiv steht dem in nichts nach. Der Halt der Kamera ist im Vergleich zur E-M10 und E-M5 (Mark I) verbessert, aber in meinen Händen fühlt sich die GX7 noch etwas besser an, da der Griff einfach etwas ausgeprägter ist. Sehr angenehm dagegen ist die Daumenauflage der E-M5 II. Ein echtes Ärgerniss beim Anfassen sind dagegen die kleinen Metallschlaufen zur Befestigung des Kameragurtes. Dies war mir schon bei der GX7 aufgefallen und da ich grundsätzlich statt Kameragurten das System von Peak Design nutze, habe ich als erstes mal diese Halterung entfernt.  Damit lässt sich die Kamera deutlich angenehmer halten.

Von Beginn an begeistert haben mich dagegen die beiden Einstellräder. Sie sind einfach perfekt. Viel besser als bei der alten E-M5 und E-M10 und auch besser als bei der GX7. Die Räder lassen sich gut verstellen sind perfekt erreichbar und damit das Beste was ich in diesem Bereich bislang gesehen habe. Auch darüber hinaus macht die neue E-M5 II einen guten Eindruck, was die Bedienelemente auf der Oberseite angeht. Gleich 4 frei konfigurierbare Tasten befinden sich hier. Standardmäßig haben diese folgende Funktionen:

  • FN2: Multifunktion (Highlights/Schatten-Anpassung, Farbgenerator)
  • FN3: Umschalten zwischen Sucher und Bildschirm (Funktioniert nicht, wenn der Bildschirm ausgeklappt ist!)
  • FN4: HDR
  • Movie: Filmaufnahme

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Während ich FN4 auf seiner Funktion belassen habe, habe ich den anderen Tasten neue Funktionen zugewiesen:

  • FN2: Zurücksetzen des Autofokuspunkten (nützlich, wenn zuvor der Fokuspunkt manuell gesetzt wurde)
  • FN3: Bracketing (5 Aufnahmen mit je 2 EV Unterschied)
  • Movie: Aufrufen meiner unter „Myset1“ gespeicherten Einstellungen

Ein weiter Funktionsbutton, der frei belegt werden kann, befindet sich vorn an der Kamera und kann beim Fotografieren leicht mit dem Ringfinger erreicht werden. Standardmäßig zeigt dieser eine Tiefenschärfevorschau. Ich habe ihn allerdings mit der Lupenfunktion belegt, da er mir so eine schnelle Kontrolle des Autofokus erlaubt.

Die Rückseite der Kamera bietet ebenfalls Möglichkeiten zur Individualisierung:

  • 1/2-Umschalter zur Konfiguration der Einstellräder
  • FN1-Button: Standardmäßig für AEL
  • Sofern man das 4-Wege-Kreuz nicht fest für die Fokuspunktwahl nutzt:
    • Rechts-Taste: Standardmäßig für Blitzeinstellung
    • Unten-Taste: Standardmäßig für Bracketingeinstellung
    • Links: Wahl des Fokuspunktes (nicht änderbar)
    • Oben: Wahl von Blende und Belichtung (nicht änderbar)

Bis auf den 1/2-Schalter habe ich die Funktionen so belassen wie sie standardmäßig sind. Über den 1/2-Schalter (gibt es auch bei der E-M1) lässt sich die Funktion der Einstellräder umschalten. Während bei der Position 1 je nach Modus Blende, Verschlusszeit und ggf. Belichtungskorrektur eingestellt werden über die Räder, sind es bei Modus 2 ISO und Weißabgleich. Über das Menü lässt sich dies pro Aufnahmemodus noch konfigurieren. Da im Blendenvorwahlmodus (A) standardmäßig die Blende mit dem hinteren Rad und die Belichtungskorrektur mit dem vorderen Rad eingestellt ist, habe ich dies über das Menü getauscht, da es für mich so intuitiver ist. Bei Position 2 ist das vordere Rad für den Weißabgleich und das hintere für ISO und auch dies habe ich getauscht, da es für mich so intuitiver ist.

Wer verschiedene Einstellungen an der Kamera nutzt (z.B. eine für Nachtaufnahmen, eine für Landschaft, eine für Portrait), kann bis zu 4 Setups (Mysets) anlegen und speichern. Diese Setups können dann entweder über die Funktionsbuttons aufgerufen werden, oder aber auch eine Funktion auf dem Moduswahlrad gelegt werden.Wer z.B. die Collagenfunktion auf dem Wahlrad nie nutzt, kann dort stattdessen ein Preset hinterlegen.

Mit dem 12-40er-Objektiv habe ich dass noch eine weitere Funktionstaste hinzubekommen, auf die ich dann die Tiefenschärfevorschau gelegt habe.

Alles in allem in diese Kamera unglaublich mächtig, was die Individualisierung angeht und übertrifft damit noch die GX7, die ja ihrerseits auch schon sehr vielseitig anpassbar ist. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, sich all die Anpassungen zu merken…

Die Anpassbarkeit hat jedoch auch einen Nachteil: das Menü der Olympus ist wie bei allen Olympus-Kameras nicht gerade übersichtlich. Nach 2 Tagen intensiver Beschäftigung ist es allerdings auch kein Problem mehr und mit all den Voreinstellungen, die man treffen kann, ist das Menü später wahrscheinlich kaum noch genutzt.

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Das Moduswahlrad sitzt bei der E-M5 II wie bei ihren Schwestermodellen links, statt wie bei der GX7 recht an der Kamera. Ich finde dies kein Problem und kann mit beidem leben. Was aber eher ungewöhnlich ist, ist der Ein/Aus-Schalter bei der E-M5 II. Dieser sitzt an der linken Seite des Moduswahlrads. Dies finde ich eher unpraktisch. Bei der GX7  (und auch der Panasonic G5) ist er so platziert, dass die Kamera mit einer Hand gehalten und ein- bzw. ausgeschaltet werden kann. Dies geht hier nicht, sondern die zweite Hand wird hier zwingend benötigt. Auf der anderen Seite ist die E-M5 II bereits so vollgepackt mit Bedienelementen, dass mir auch kein besserer Platz einfallen würde…

Wie ihr seht, ist mein grundsätzliches Urteil zur Bedienbarkeit sehr positiv. Insbesondere die Konfigurationsmöglichkeiten machen die Kamera genau zu derjenigen, die man sich selbst wünscht. Hier hat Olympus ein Glanzstück vollbracht und die GX7 hinter sich gelassen, wenngleich nur um Haaresbreite.

Eine wesentliche Neuerung sind dagegen der Sucher und der Bildschirm. Der Sucher ist gegenüber der E-M5 I stark verbessert und nun gleichwertig zum EVF der E-M1. Eine deutlich höhere Auflösung sorgt für ein kristallklares Bild. Nominal liegen die Sucher der GX7 und E-M5 II nah beieinander, dort der Blick durch sie hindurch ist ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Der Sucher der GX7 ist ohne Zweifel sehr klar und detailreich, aber durch seine Bauweise wirkt das Bild recht klein und wie durch einen Tunnel. Der Sucher der E-M5 II ist dagegen riesig. In der Tat ist er so groß, dass ich mit Brille nicht das gesamte Bild sehen kann, weswegen ich im Menü die Ansichtsoption 2 für den Sucher gewählt habe, wo das Bild etwas kleiner ist und dafür rundherum die Einstellungen zu sehen sind, statt dass die Einstellungen über das Bild gelegt werden. Insofern ist die E-M5 II der GX7 hier klar überlegen, was aber nicht heißt, dass der Sucher der GX7 nicht auch sehr gut zum Fotografieren geeignet ist.

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Beim Bildschirm setzt dagegen Olympus auf einen neuen Weg. Statt der einfachen klappbaren Bildschirme, wurde bei der E-M5 II nun ein klapp- und drehbares Display verbaut, wie bei der G- und GH-Serie von Panasonic.

Der Bildschirm ist gleichwertig zu dem der GX7 und E-M1, sein seitlicher Ausklappmechanismus macht das Arbeiten mit Ihm aber anders. Während die Bildschirme der GX7 und E-M1/E-M10/E-M5 I sehr schnell einsatzbereit sind, wenn es um Überkopf- und Aufnahmen aus tiefem Winkel geht, die im Querformat sind, so haben die Bildschirme keinen wirklichen Nutzen bei Hochformataufnahmen aus extremen Winkeln. Dafür nehmen sie aber beim Ausklappen auch kaum zusätzlichen Platz ein.

Der Bildschirm der E-M5 II dagegen kann sowohl bei Hoch- als auch Querformataufnahmen genutzt werden. Nachteil ist dabei, dass es immer zunächst ausgeklappt und entsprechend gedreht werden muss, bevor er einsatzbereit ist. Vorteil ist dagegen, dass der Bildschirm bei Nichtgebraucht schützend eingeklappt werden kann, so dass das Display nach innen schaut. Insofern ist der neue Bildschirm zwar flexibler, aber z.T. auf Kosten der Kompaktheit und der Schnelligkeit.

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Der Bildschirm ist wie bei allen Micro Four Thirds Systemkameras auch wieder mit einem Touchscreen ausgestattet. Was allerdings schade ist, ist das bei Blick auf den Sucher der Bildschirm nicht dazu genutzt werden kann, um mit dem Finger den Fokuspunkt zu verschieben, so wie es bei Panasonic möglich ist. Insgesamt finde ich das Touchscreenkonzept bei Panasonic weiterhin ausgereifter. Was die Olympus aber im Gegensatz zur GX7 beherrscht, ist die Warnung vor über- oder unterbelichteten Bereichen bereits vor der Aufnahme im Sucher oder auf dem Bildschirm. Dies finde ich sehr nützlich. Bei der GX7 ließ sich dies nur in der Wiedergabe anzeigen.

Wiegesagt habe ich bislang noch keine wirklichen Aufnahmen mit der Kamera gemacht, bis auf ein paar Testbilder, zumal auch noch die Lightroomunterstützung für die RAW-Files noch nicht gegeben ist. Eines ist mir dabei aber schon aufgefallen. Die Kamera fokussiert deutlich schlechter als die GX7 bei schlechtem Licht. Die GX7 fokussiert unter fast allen Bedingungen fehlerfrei, auch wenn bei schlechtem Licht z.T. der Pinpoint-Autofokusmodus genutzt werden muss. Die E-M5 II pumpt dagegen recht stark bei schlechtem Licht und verfehlt auch öfter den Fokus. Einen Pinpoint-Autofokusmodus wie bei der GX7 gibt es leider nicht, so dass ich hier mit dem kleinsten Autofokusfeld arbeiten musste. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich dies auch in der Praxis als Nachteil herausstellen wird.

Als letztes bleibt noch ein kleiner Punkt über: der Blitz. Leider hat auch die E-M5 II wie die E-M1 und E-M5 I keinen eingebauten Blitz, sondern lediglich einen aufsteckbaren Zubehörblitz. Dies ist aus meiner Sicht ein klarer Nachteil zur GX7. Der Zubehörblitz wurde aber neu konzipiert und verfügt nun über einen dreh- und schwenkbaren Blitzkopf. Die Leistung des Blitzes ist zwar immer noch recht schwach, aber mit dem flexiblen Kopf lässt er sich allemal vielseitiger einsetzen als ein eingebauter Blitz.

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Wiegesagt, Bilder habe ich noch keine wirklich gemacht, von daher beschreibt dieser Teil meines Reviews zunächst mal meine ersten Eindrücke beim Erhalt und Einrichten der Kamera. In wenigen Tagen geht es dann auf eine Kreuzfahrt von Hongkong nach Singapur, wo die Kamera dann zeigen muss was sie kann. Meine GX7 wird auch mit dabei sein, so dass ich immer einen guten Vergleich habe.

Bis dahin freue ich mich auf eure Erfahrungen mit der E-M5 II.


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Kommentare

  • Matthias 29. Juni 2016 Antworten

    Hallo Jens
    dank für deine gute Beschreibung. Kannst Du denn jetzt sagen,wie Du die Bildqualität im Jpeg und RAW Bereich bei der Olympus einschätzt.
    Habe auch eine GX7.So richtig hauen mich die Fotos nicht um in Bezug auf Schärfe und Farbe.Habe aber sehr gute Festbrennweiten.
    Es wird gesagt,die Olympus Fotos sind besser.Wäre nett ,wenn Du mir mal Deine Eindrücke der Fotoquali bei Jpeg und Raw und den Unterschied zur GX7 mitteilst.Gruß Matthias

    • Jens 30. Juni 2016 Antworten

      Hallo,

      danke für den Kommentar. Die Bildqualität der Olympus ist vergleichbar mit der der GX7, wenn man RAW vergleicht (JPG nutze ich bei beiden Kameras nicht).
      Entscheidend für die Schärfe ist natürlich die exakte Scharfstellung. Hier trennen sich die beiden Kameras etwas. Die GX7 hat im Mehrfach-AF-Feld-Modus recht große Fokusfelder, so dass der Fokus auch ggf. mal leicht daneben sein kann, wenn es um diffizile Objekte geht. Dafür hat sie aber zum Ausgleich einen Fadenkreuz-AF, der zwar langsam, aber dafür extrem exakt fokussiert, selbst bei sehr wenig Licht. Die Olympus hat die kleinen Fokusfelder, dafür aber keinen Fadenkreuz-AF. Bei der Olympus bin ich auch dazu übergegangen, das AF-Feld manuell vorzugeben, da dies sehr einfach und komfortabel geht.
      Einen Unterschied gibt es noch in der Abstimmung der beiden Kameras. Während die Panasonic eher kühler/neutral abgestimmt ist, ist die Olympic eher auf der wärmeren Seite.

      Vg
      Jens

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Autor:Jens Koopmann