Eine Kreuzfahrt durch Asien – Tag 17: Kulturenmix in Singapur

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So schnell vergehen die fast 3 Wochen schon wieder, denn nach unserer gestrigen Nacht im Hotel in Singapur, werden wir die Heutige schon im Flieger nach Deutschland verbringen. Da der Flieger aber erst kurz nach Mitternacht abheben sollten, blieb uns zumindest noch der ganze heutige Tag, um Singapur noch ein wenig mehr zu erkunden.

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Da der gestrige Tag so lang war, hatte Milly erstmal ausgeschlafen, während ich bereits zeitig um halb 8 auf den Beinen war. Ich nutzte die Zeit, um nochmal nach Chinatown zum Buddha Tooth Relic Temple zu laufen, wo wir vor zwei Tagen schonmal waren. Dort hatten wir uns aber nur das Erdgeschoss angeschaut, doch mein Reiseführer hat mich im Nachhinein darauf aufmerksam gemacht, dass auch die anderen Stockwerke einschließlich des Dachs zugänglich sind.

Die Stockwerke enthalten dabei insbesondere Austellungen über den Buddhismus und die Mönche in dem Tempel. Viele Räume waren zu der frühen Zeit allerdings noch geschlossen, obwohl nach den Öffnungszeiten eigentlich ein Besuch hätte möglich sein sollen. Insofern war ich erstmal auf das Dach gefahren, wo gleich 2 Dinge sehenswert sind. Zum Einen ist dort die Gebetsmühle im Zentrum des Daches, die sich in einem kleinen Tempelgebäude befindet. Es ist die (nebenbei gesagt) größte Gebetsmühle der Welt. Eine Gebetsmühle ist ein Zylinder, der auf einer Spindel angebracht ist und mit Gebetstexten beschriftet wurde (Mantras).

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Auf der Mühle hier gibt es drei Mal das Vairocana Mantra. Vairocana Buddha ist einer der Urbuddhas die die reine Wahrheit symbolisieren. Vairocana ist dabei der wichtigste dieser Urbuddhas, der als allwissend gilt. Der Lehre nach soll er, sofern man auf ihn und die Urbuddhas meditiert, Unwissenheit in Weisheit umwandeln können. Wenn man die Mühle dreht, erklingt bei jeder Umdrehung eine Glocke.

Neben der Gebetsmühle fallen auf dem Dach aber auch die schier unendlich vielen kleinen Buddha-Figuren auf, die rund um den Dachgarten platziert sind. Dieser Teil nennt sich Pagoda der 10.000 Buddha, doch tatsächlich sind es 11.111. Es sind allerdings nicht nur Buddhas hier gezeigt, sondern auch Bodhisattvas. Dies sind alte, ehemalige Buddha, die wieder auf die Welt zurückkehren, um den Wesen auf der Welt bei ihrem Weg zur Erleuchtung zu helfen. Wesen ist dabei wörtlich zu nehmen, denn der Buddhismus ist nicht auf den Menschen beschränkt, sondern erstreckt sich auf alle Lebewesen.

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Nach dem Besuch hier war ich wieder hinuntergefahren und von dort etwas in die Nebengassen von Chinatown gegangen, um zum Thian Hock Keng Tempel zu kommen. Ganz anders, als der Buddha Tooth Relic Tempel, der erst in diesem Jahrtausend erbaut wurde, ist dieser Tempel einer der ältesten der Stadt und seit 1839 genutzt. Der Tempel ist Mazu, der taoistischen Göttin der See, gewidmet und wurde von den chinesischen Einwanderern erbaut, um für die sichere Überfahrt nach Singapur Dankbarkeit zu zeigen.

Der Tempel ist ein flaches Gebäude, was ihn nicht so prominent sichtbar macht wie seinen nahen Verwandten in Chinatown. Nach all den Tempeln auf der Reise, mag dieser jetzt nicht mehr so besonders erscheinen, ist aber trotzdem wegen seiner Holzschnitzereihen in den Dächern, den vielen Figuren und den verzierten Türen sehenswert gewesen. Einzig der Altar selbst war recht unspektakulär. Was aber auch beim Rundgang auffiel ist der Kontrast, den der Tempel hier inmitten der anderen Bauten bildet.

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Nach dem Besuch hier war es dann Zeit, Milly abzuholen und erstmal zu frühstücken.

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Nach dem Frühstück haben wir dann den Rest des Tages geplant, gepackt und schließlich ausgecheckt. Unser Gepäck konnten wir dankenswerterweise bis zum Abend noch im Hotel lassen. Es war mittlerweile sonnig und heiß und unser Ziel hieß zunächst Bugis Street, ein Straßenmarktkomplex.

Der Weg dorthin sind zu Fuß rund 20-25 Minuten gewesen, doch diese am Stück zu laufen war bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit draußen schlicht nicht möglich gewesen. So haben wir halt unterwegs hier und da gestoppt, unter anderem in einer Shopping Mall, die fast nur aus Elektronikgeschäften bestand 🙂

 

In einer anderen Mall, wo wir uns kurz erfrischt hatten, haben wir auch ein paar Süßigkeiten probiert, die angeblich eine japanische Delikatesse sind. Diese Süßigkeiten wurden im Kühlschrank gelagert und hatten eine weiche äußere Schicht und im inneren eine Füllung, zumeist aus einer Fruchtzubereitung. Warum dies eine Delikatesse sein soll, leuchtete uns allerdings nicht wirklich ein, denn für uns waren sie einfach nur süß und von komischer Konsistenz. Insofern: probiert und abgehakt.

 

Kurz darauf waren wir dann aber an der Bugis Street angekommen – jener Straße, die laut Milly so toll zum Shoppen sein soll. Bugis Street geht vom Namen her zurück auf Indonesische Seeleute, welche früher in dieser Gegend gesiedelt hatten und die sich Bugis nannten.

Ab den 1950er Jahren wurden das Gebiet dann zwar kommerzieller, erreichte aber seine Bekanntheit eher durch die zahlreichen Treffen von Transvestiten. Zahlreiche Touristen kamen bin in die 80er Jahre hierher, um den nächtlichen Umzug der Drag Queens zu besuchen.

In den 80er Jahren änderte sich dann alles, als die hiesige Metrostation gebaut und das Viertel gänzlich umgestaltet wurde. Nunmehr beherrscht eine große Mall die Gegend, an deren Seite sich ein unscheinbarer Komplex befindet, der zwar noch den Namen Bugis Street trägt, aber nicht mehr viel mit der alten Bugis Street gemein hat. Es ist mehr ein Basar, der weniger von Touristen, als mehr von Einheimischen besucht wird. Ich fand ihn jedenfalls recht unspektakulär und auch Milly sprühte nicht gerade vor Begeisterung.

   

Es gab allerdings noch einen Tempel nicht unweit von hier und den wollten wir uns noch kurz anschauen, bevor wir mit unserer Tour fortfuhren. Es ist der 1884 erbaute Kwan Im Thong Hood Cho Tempel, der allerdings im Vergleich zu den vielen Tempeln unserer Reise nicht mehr ganz so spektakulär war und so dauerte unser Besuch auch nur wenige Minuten, zumal die Hitze einfach unerträglich war.

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Wir sind dann wieder zurück zur Bugis Street und von dort dann weiter zu einem Viertel, in dem sich die islamische Bevölkerung Singapurs niedergelassen hat. Neben Chinatown und Little India ist dies der dritte große ethnische Bezirk der Stadt.

Zentrum des Viertels ist die Sultan-Moschee, welche allerdings derzeit renoviert wird. Ein erster Bau an dieser Stelle aus dem Jahr 1824 wurde 1928 durch den heutigen Bau ersetzt. In die Moschee konnten wir auch als Nicht-Muslime hinein. Sie ist recht schlicht gehalten, aber auf ihre Weise so auch elegant.

Wir waren dann noch ein wenig durch das Viertel gelaufen, welches aber bei der sengenden Sonne nicht übermäßig bevölkert war. Zu der Gründung des Viertels kam es nach der Annexion Singapurs durch Großbritannien. Zuvor war Singapur unter dem Einfluss des Inselchefs dem Malaysier Abdul Rahman und dem Shar von Johore (heute Teil von Malaysia) Sultan Hussain. Als Ausgleich für den Verlust ihrer Macht in Singapur kompensierten die Briten die beiden finanziell und gaben ihnen die Gegend um Kampong Glam als Siedlungsgebiet. Auch andere Malaysier und Muslime wurden in dieser Gegend angesiedelt und so entstand das heutige Viertel. Der Sultan war es dann auch, der den Vorgängebau der Sultan-Moschee veranlasste.

Für einen langen Aufenthalt war es jedoch eindeutig zu warm für uns und so haben wir beschlossen erst einmal was Essen zu gehen. Wir sind dabei auf ein kleines koreanisches Restaurant gestoßen, wo wir recht gut gespeist und vor allem die Klimatisierung genossen hatten.

So gesättigt hatten wir uns dann ein letztes Mal für heute aufgerafft, um zur Bugis-Metro-Station zurück zu laufen, und zur Station Raffles Place zu fahren, wo unser letztes Tagesziel, die Marina, lag.

Von der Haltestelle sind wir langsam durch den Financial District gelaufen, wo es neben den Wolkenkratzern, die so auch in jeder anderen Metropole stehen könnten, auch einiges anmoderner Kunst zu sehen gab.

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Es war nicht weit und wir waren am alten Clifford Pier angekommen, der heute zum Fullerton Bay Hotel gehört. Der Pier stammt aus den 1920er Jahren und ist nach Hugh Clifford benannt, der eine Zeit lang britischer Gouverneur einer malaysischen Provinz war.

Milly hatte hier beschlossen, eine der gemütlichen Bänke zu nutzen und sich auszuruhen, so dass mir Zeit blieb, ein wenig am Ufer entlang zu laufen bis zum Merlion, dem Symbol für Singapur.

Der Merlion ist ein Löwe mit einem Fischkörper und obwohl er heute das Symbol des Ministaates ist, so gibt es doch keine historisch überlieferten Geschichten über eine solche Fabelgestalt. Auf malaysisch heisst Merlion allerdings Singa-Laut, was zumindest auf den Wortursprung von Singapur zurückgeht. In der Tat war Singapur früher auch als „Lion City“ bekannt, was den Wortteil Singa erklärt. Der Fischkörper ist dagegen eine Homage an die Fischer, die ursprünglich mal auf diesem Land gelebt haben.

 

Die Statue die heute täglich tausende Besucher anzieht, wurde erst 1972 erbaut. Sie ist fast 9 Meter hoch und brauchte für ihre Errichtung ganze 70 Tonnen Zement und Porzellan.

Da die urspüngliche Stelle der Statue an der Mündung des Singapur River mehr und mehr verbaut wurde von den neueren Gebäuden am Ufer, wurde sie 2002 versetzt an ihren jetzigen Standort. Ihr gefolgt ist auch eine zweite kleine Merlion Statue. Der Blick der Statue ist exakt nach Osten ausgerichtet, der günstigsten Ausrichtung nach der Lehre des Feng Shui. 2009 machte die Statue noch einmal Schlagzeilen, als sie an einem Februarnachmittag vom Blitz getroffen wurde.

 

Hier bei der Statue haben wir dann die letzten Stunden in Singapur verbracht und den Sonnenuntergang hinter der Skyline beobachtet. Wir waren hier geblieben, da heute wieder die Laser Show am Marina Bay Sands sein sollte, die wegen der Staatstrauer um den Premierminister die letzten Tage ausgefallen war.

   

Die Show begann um 20 Uhr und dauerte rund 15 Minuten. Diverse Laser waren dabei auf dem Hotel des Marina Bay Sands und den vorgelagerten Gebäuden angebracht. Insgesamt war es zwar nicht übermäßig beeindruckend (auf den Fotos sollte es besser aussehen), aber ein harmonischer und schöner Abschluss dieser Reise.

 
 

Nachdem die Show vorbei war, sind wir zurück zum Hotel gelaufen, wo wir unsere Koffer abgeholt und dann ein Taxi zum Flughafen genommen hatten. Wir hätten zwar auch die Metro nehmen können, aber mit 2 Mal umsteigen war uns das Taxi lieber, zumal es immernoch drückend schwül war.

Am Flughafen haben wir dann noch rund 2h gewartet, in denen wir uns am Social Tree, einer Nachbildung der Super Trees verewigt hatten und dann ging es auch schon auf den Flug zurück nach Paris, den ich meist mit Schlafen verbracht hatte.

In Paris hatten wir dann gut 40min Verspätung bei der Ankunft, was meinen Puls schon schneller gehen lies, denn wir hatten nur 1:50h für den Transfer zu unserem Flieger nach Luxemburg. Es ging aber alles gut, denn auch der Flieger nach Luxemburg hatte etwas Verspätung, da in Luxemburg gerade Sturm war und wir daher keine Landeerlaubnis hatten. Dann ging es aber los auf die letzte Etappe, die sich zwar reichlich ruckelig gestaltete, aber dafür auch schon nach 40 Minuten zu Ende war.

Damit endet dann auch wieder das Reisetagebuch unserer ersten Reise nach Asien. Es war eine wirklich tolle Reise mit unzähligen neuen Eindrücken und einer fantastischen Kreuzfahrt, die wir mit unglaublich netten Leuten verbracht haben. Irgendwann werden wir sicher wieder nach Asien zurück kommen.

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Kommentare

  • Andy 13. September 2016 Antworten

    Wow!
    Wir planen künftig eine Reise nach Asien zu machen.
    Ich danke dir für den tollen Bericht, die Serie ist wirklich gelungen..
    Wahnsinn, wieviel Arbeit du hier rein steckst, so muss das sein :-).

    Liebe Grüße

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Autor:Jens Koopmann