Eine Kreuzfahrt durch Asien – Tag 15: Auf Erkundung in Singapur

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Planmäßig hat die Millenium am frühen Morgen Singapur und damit das letzte Ziel unserer Reise erreicht. Uns blieb aber noch der ganze Tag auf dem Schiff, denn erst morgen müssen wir unser Zuhause der letzten 2 Wochen verlassen. So stand heute ein Ausflug auf eigene Faust auf dem Programm, aber nicht allein, denn unsere abendlichen Tischnachbarn Andrea, Wilma, Ruth, Lisa, John und Allen sollten uns heute begleiten.

Halb 9 ging es los und wir sind zügig vom Schiff und durch die Immigration, um dann direkt beim Kreuzfahrtterminal in einen der Sightseeing Hop-on-Hop-off Busse zu steigen. Von hier ging es dann zunächst in Richtung des Singapur Flyer, dem größten Riesenrad der Welt und dann parallel zur Helix Bridge nach Marina Bay Sands einem gewaltigen Hotel- und Casinokomplex, der insbesondere durch seinen Aufbau auffällt, der wie ein Schiff aussieht.

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Im Anschluss führte uns die Fahrt durch den modernen Financial District von Singapur, der durch gläserne Bürotürme gekennzeichnet ist, wie sie mittlerweile in jeder großen Metropole zu finden sind und der in meinen Augen wenig Charme versprühte. Wir mussten dann den Bus wechseln, da dies nur ein Zubringer zu den eigentlichen Linien war. Wir hatten dabei auch gleich die Gelegenheit genutzt, uns in Suntec City, einem Einkaufszentrum etwas abzukühlen, denn es war unglaublich schwül draußen. Weiter ging es dann mit der gelben Buslinie und nur kurz darauf überquerten wir den Singapur River. Auf der anderen Seite befand sich das älteste Regierungsgebäude der Stadt, welches insbesondere durch seine bunten Fensterläden auffällt.

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Die Fahrt führte uns etwas aus dem Zentrum heraus bis zum Botanischen Garten. Was dabei auffiel, war, dass sich der Verkehr im Vergleich zu anderen asiatischen Städten doch sehr in Grenzen hält. Zum einen fehlen die Mofas gänzlich, aber auch sonst waren nicht zu viele Fahrzeuge unterwegs. Dies hat jedoch auch seine Gründe. Zum Einen braucht man hier eine Fahrzeuglizenz, um ein Auto zu kaufen. Diese werden allerdings nur in begrenzter Zahl jedes Jahr von der Regierung ausgestellt und an die Meistbietenden versteigert. Allein dies kann manchmal schon mehrere 10.000 Dollar kosten. Zudem ist die Lizenz nur 10 Jahre gültig und danach muss man sich eine Neue ersteigern. Als wäre das nicht genug, so gibt es auch eine sehr hohe Steuer beim Kauf eines Fahrzeugs, die manchmal sogar 100% des Wagenpreises übersteigen kann. Und da aller guten Dinge drei sind, hat die Stadt auf stark befahrenen Straßen eine Maut eingeführt, die sich je nach Fahrzeuggröße, Wochentag und Tageszeit richtet. Je nach Fahrzeug können so allein in einem Monat auch mal 500 Dollar an Mautgebühren anfallen. Am besten also, man nutzt den Nahverkehr.

Dieser Tage ist Singapur allerdings auch in einer Art Ausnahmezustand, denn der Staatsgründer und Premierminister ist vor wenigen Tagen verstorben und morgen ist seine Beerdigung. Insofern sammeln sich im Zentrum die Menschen, um ihrem Staatschef die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem Botanischen Garten führte unsere Fahrt weiter auf die Orchard Road, der Einkaufsmeile der Stadt. Hier reihen sich die Malls aneinander und werben um das Geld der Einheimischen und Touristen. Manche Malls erinnern dabei an Paläste, andere dagegen eher an ein futuristisches Raumschiff.

Schließlich kamen wir wieder in Suntec City an, von wo wir zu unserem nächsten Ziel wollten, was China Town war. Leider fuhren die Hop-on-Hop-off Busse von hier nur mit einem großen Umweg dorthin und so haben wir kurzerhand die Metro genommen. Dabei ist kurz relativ, denn wir mussten zunächst durch ein unendliches, unterirdisches Labyrinth bis zur Metrostation laufen und dann noch die Hürde des Ticketkaufs überwinden, bevor wir das kurze Stück bis Chinatown gefahren sind.

Dort angekommen konnte der Kontrast zum sterilen Finanzdistrikt und den gigantomanischen Shoppingzentren nicht größer sein. Chinatown ist ein eigenes Quartier, welches sich seinen ursprünglichen Charme erhalten hat. Zwar dominieren mittlerweile die Souvenirhändler das Geschehen, aber die alte zwei-stöckige Bebauung ist noch gut erhalten.

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Unser Ziel war der Buddha Tooth Relic Tempel, ein vierstöckiger Tempel, der noch nicht einmal 10 Jahre alt ist (2007 wurde er gebaut). Trotzdem ist er von innen sehr beeindruckend, nicht nur wegen der fast 9 Meter hohen Buddha Statue in der Haupthalle.

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Der Name des Tempels kommt daher, dass sich im 4. Stock einer der Zähne befindet, die dem aktuellen Buddha Shakyamuni gehört haben soll. Wie ich vor ein paar Tagen schonmal geschrieben hatte, gilt im Buddhismus der Glaube, dass alle rund 5000 Jahre ein neuer lehrender Buddha erscheinen wird und Shakyamuni befindet sich gerade in der Mitte seiner Zeit.

Im chinesischen Buddhismus gibt es zudem eine Besonderheit, dass man auf Basis seines Geburtsjahres, welches wiederrum einem Tier zugeordnet ist, eine Art Schutzengel erhält. Ich beispielsweise bin im Jahr des Schafs geboren, während Milly im Jahr des Schweins geboren ist. Nach der chinesischen Philosophie passen Schwein und Schaf übrigens wunderbar zusammen…

Solche Schutzpatrone (Bodhisattva genannt) gab es direkt nach der Eingangshalle zu sehen, gemeinsam mit der Sammlung der 100 Buddha. Diese entstammen dem Buch „Sutra of the Names of the one hundred Buddhas“, wonach 100 Buddhas da sind, um der Welt zu helfen und wer diesen Buddhas huldigt und ihnen Zuwendung gibt soll von seinen Ängsten erlöst werden.

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Interessant war allerdings eine Figur am Ende des Tempels: Maitreya, der zukünftige Buddha. Er wurde bereits weit vor Shakyamuni geboren, hat aber bislang noch nicht die Erleuchtung erfahren bzw. ist noch nicht erwacht. Im Buddhismus gilt nämlich die Geburt als der Moment in dem der Mensch einschläft und sich ab dann bis zu seinem Tod in einem Traum befindet, der ihn davon abhält, seine wahre Identität (Buddha Nature) zu erkennen. Während dieses Traums, sprich dem Leben, ist das Buddha-Ich vom menschlichen Ego soweit unterdrückt, dass man es nicht wahrnimmt. Durch Meditation ist es allerdings möglich, dass Ego soweit verstummen zu lassen, dass man wieder zum Buddha-Ich findet, was gleichbedeutend mit dem Erwachen aus dem Traum ist. Schafft man dies nicht, erwacht man mit dem Tod aus dem Traum, wird allerdings wieder in einen neuen Traum, sprich ein neues Leben geschickt.

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Maitreya soll erst noch sein Ich finden und es wird noch mehr als 5,5 Millionen Jahre dauern, bis er der neue Buddha sein wird (einige Bücher schreiben zwar von “nur” einigen tausend Jahren, aber das ist unwahrscheinlich, denn Maitreya soll erscheinen, wenn die Menschen wieder 80.000 Jahre alt werden, was sobald nicht der Fall ist).

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Der Tempel ist wirklich sehenswert und war eines der Highlights des heutigen Tages. Wieder ganz anders als all die Tempel, welche wir auf der Reise gesehen haben.

In Chinatown gibt es aber nicht unweit noch einen zweiten Tempel zu sehen, der sich Sri Mariamman nennt. Dies ist allerdings kein buddhistischer Tempel, sondern ein hinduistischer. Besonders ist dabei insbesondere der Turm am Eingang, der vollständig mit Figuren besetzt ist.

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Die Figuren finden sich auch immer wieder im Innenhof, wobei die Kühe und Elefanten als heilige Tiere eine besondere Stellung einnehmen. Der Tempel wurde bereits 1827 errichtet und ist der älteste Hindu-Tempel der Stadt. Sri Mariamman ist die Mutter Gottes. Seinen charakteristischen Eingangsturm erhielt der Tempel allerdings erst in den 1930er Jahren.

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Nach einem kurzen Rundgang durch das Areal haben wir es dann erstmal damit belassen und haben uns einen Ort gesucht, an dem unsere Mägen mal was zu sehen bekamen. In einem Restaurant in der Food-Street in Chinatown wurden wir fündig und haben dort das beste chinesische Essen bekommen, was wir je bisher hatten.

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Da die Hitze immer drückender wurde und wir auch gut von den Chillis im Essen durchgeschwitzt waren, wollten wir den Nachmittag etwas entspannter angehen mit einer Bootstour auf dem Singapur River. Also sind wir zum Boat Quay gelaufen, wo eine Reihe kleiner Häuser mit vielen Fischrestaurants einen großen Kontrast zu den dahinter befindlichen Bürotürmen bildeten.

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Die Frische wird bei diesen Restaurants großgeschrieben, denn die meisten Speisen sind vor der Bestellung noch lebendig frisch.

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Hier trennten sich dann auch Andrea und Wilma von uns und sind zurück zum Schiff, während wir verbliebenen 6 uns auf zur Bootstour machten. Auf dem anderen Ufer konnten wir dabei die langen Schlangen der Menschen sehen, die anstanden, um dem verstorbenen Premier die letzte Ehre zu erweisen.

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Die Bootstour selbst dauerte rund 45 Minuten und gab vom Wasser einen schönen Blick auf die Gebäude entlang des Flusses, das Fullerton Hotel und die Marina. An der Marina konnten wir auch das Symbol Singapurs sehen, den Merlion, eine Mischung aus Löwe und Meerjungfrau. Ansonsten hatten wir hier auch einen tollen Ausblick auf das Marina Sands Hotel, den Singapur Flyer und das ArtSience Museum, mit seinem futuristischem Bau.

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In die andere Richtung war der Fluss etwas ruhiger und durch einen umgebauten Warenhauskomplex und viele Restaurants gekennzeichnet.

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Am Ausgangspunkt wieder angekommen waren wir alle recht geschafft von der Hitze und so bot es sich an, im Fullerton Hotel sich kurz zu erfrischen. In der klimatisierten Eingangshalle haben wir alle je ein kleines Stück Kuchen und einen Tee/Kaffee oder Saft genossen, wobei genießen bei den aufgerufenen Preisen durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn ein Kännchen Tee war unter 10 Euro nicht zu bekommen- aber ein Stückchen Luxus hatten wir uns redlich verdient.

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Damit endete dann auch die Tour für heute und wir sind mit der Metro zurück zum Hafen gefahren und von dort zum Schiff gelaufen.

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Das war also der letzte Tag der Kreuzfahrt und es war schon etwas Wehmut dabei, als das letzte Abendessen vorüber war und wir uns alle voneinander und von unseren beiden Kellnern verabschiedet haben. Wilma, Andrea, Lisa, Ruth, John und Allen haben diese Reise für uns beide zu etwas besonderem gemacht und wir hoffen wirklich, dass wir in Kontakt bleiben werden und uns Wiedersehen!

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Damit endete dann auch dieser erste Tag in Singapur. Die Koffer waren gepackt und wir sind recht zeitig in unser Bett gefallen für die letzte Nacht auf dem Schiff.

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Autor:Jens Koopmann