Ein Fototrip nach Lissabon – Teil 1: Straßenbahnen, Aufzüge und der Turm von Belém

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Wohin fährt man, wenn man im Februar einen Fototrip plant? Ich und 3 Fotofreunde (Andrea, Pia und Tamas) haben uns diese Frage gestellt und nachdem klar war, dass es nicht in die Kälte gehen und auch die Entfernung nicht zu weit mit dem Flugzeug sein sollte, kam uns Lissabon als Idee. Gesagt getan und so ging es am letzten Wochenende im Februar los. Donnerstag Abends sind Andrea, Pia und ich von Luxemburg Richtung Lissabon geflogen. Tamas dagegen war schon am Vortag angereist, musste aber dafür auch einen Tag früher abreisen.
Da unser Flug erst spät in Lissabon war, haben wir uns nur noch ein Taxi zu unserer Pension geteilt, welche am Martim Moniz lag. Die Grande Pensão Alcobia ist von außen recht unscheinbar, von innen begrüßte uns aber ein schöner Altbau. Einzig behindertenfreundlich waren die steilen Treppen nicht. Wir hatten lediglich knappe 35 EUR pro Nacht bezahlt im Einzelzimmer und so waren unsere Erwartungen nicht hoch. Doch wir wurden positiv überrascht. Unsere Zimmer waren sauber, geräumig und die Bäder sogar neu gemacht. Mehr konnten wir wirklich nicht erwarten und so ging es direkt ab in die Federn, damit wir morgen früh fit zum Fotografieren sind.
Nach der ersten Nacht begann der Tag dann mit dem Frühstück welches bereits im Übernachtungspreis von 35 EUR inklusive war. Auch hier waren wir positiv überrascht. Zwar wartete das Frühstück jetzt nicht mit großen Besonderheiten auf, aber es war genügend Auswahl, um satt zu werden. Ich hatte zumindest schon schlechtere Frühstücksbuffets in teureren Hotels gesehen.
Dann sind wir drei zum naheliegenden Platz Martim Moniz gegangen, wo der vierte Mann im Bunde – Tamas – schon auf uns wartete. Unser erstes Ziel auf unserem Fototrip war die Fahrt mit der Straßenbahn. Nun mag dies nicht sonderlich spannend klingen, doch die Straßenbahnen sind eine DER Sehenswürdigkeiten in Lissabon.
Auf den meisten Linien verkehren noch historische Wagen, welche ursprünglich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Europaweit gibt es nur noch in Mailand ältere Straßenbahnen, welche noch planmäßig in Betrieb sind. Vorbild bei der Gestaltung der Bahnen, waren die Straßenbahnen der USA – insofern sind Ähnlichkeiten im Aussehen mit dem Cable Cars in San Francisco nicht ganz unzufällig.
Einst gab es 17 verschiedenene Linien, welche Lissabon durchzogen, doch im Laufe der Jahre reduzierten sich diese auf 5 Linien, die ein 25km langes Netz bedienen.
Die bekannteste Linie ist die 28, welche insbesondere bei Touristen beliebt ist. Sie schlängelt sich durch die engen Gassen der Altstadt, bis zum Prazeres, wo der Friedhof ist. Praktischerweise beginnt die Linie am Martim Moniz, so dass wir die ganze Strecke von hier erkunden konnten.
Die Fahrt diente uns dabei weniger zum Fotografieren. Vielmehr war sie eine erste Orientierung in der Stadt, so dass wir schauen konnten, welche Plätze vielleicht später noch einen Besuch wert waren.
Rund 40 Minuten zuckelte der eine Wagen durch die engen Gassen, immer wieder aufgehalten von Fahrzeugen, die die Schienen blockieren. Wer mit der Straßenbahn durch die Altstadt fährt sollte Geduld mitbringen – etwas, was sich die nächsten Tage immer wieder zeigen würde.
Eine gute Entscheidung war es auch, so früh zu fahren, denn so war es noch nicht ganz so voll. Nur wenig später waren die Straßenbahnen immer gut gefüllt und wir wären Gefahr gelaufen, die Strecke über stehen zu müssen.
An der Endhaltestelle Prazeres angekommen, waren wir auch direkt am Cemitério dos Prazeres – einem Friedhof – welcher der Beginn unserer fotografischen Exploration Lissabons sein sollte.
Der Friedhof ist untypischerweise nicht bei einer Kirche errichtet (es gibt zwar eine neue Kirche nahe dem Friedhof, doch diese gab es bei der Errichtung des Geländes noch nicht). Dies hatte damit zu tun, dass der Friedhof ursprünglich für die vielen Toten der Cholera-Epidemie 1833 errichtet wurde. Die Toten sollten aus Angst vor der weiteren Verbreitung der Krankheit nicht in der Nähe der zentralen Kirchen der Stadt begraben sein, weswegen man diesen etwas außerhalb gelegenen Ort gewählt hatte.
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Der Aufbau des Friedhofs erinnerte mich etwas an den Monumentalfriedhof in Mailand, denn auch hier dominieren die überirdischen Gräber, welche teils wie Gruften oder kleine Paläste angelegt sind.
Wir hatten am heutigen Tag sonniges Wetter erwischt und die Sonne stand um diese Zeit schon recht hoch. Daraus resultieren viele harte Schatten auf dem Gräbern und es bot sich daher insbesondere an, Details zu fotografieren. So konnte man durch den Blick der Fenster zu den Gruften noch die Särge erkennen, sowie an manchen Särgen sogar noch einen Schlüssel, der daran hing (vermutlich, falls man es sich mit dem Sterben doch nochmal anders überlegt hatte ;-)).
Am Ende des Friedhofs bietet sich zudem noch ein schöner Blick über die Stadt.
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Nach einer kurzen Pause bei den Katzen am Friedhofsausgang sind wir dann zu Fuß wieder zurück in Richtung der Altstadt gegangen.
Auf dem Weg kamen wir zunächst zur Basílica da Estrela  aus dem 18. Jahrhundert. Die recht monumentale Kirche ist bereits weithin mit ihrer Kuppel sichtbar. Leider war sie gerade geschlossen, so dass wir nicht hineinkamen. So blieb es es also bei einem kurzen Fotostop bevor wir der Calcada da Estrela weiter gefolgt sind.
Immer wieder boten die Straßenbahnen unterwegs ein lohnendes Fotomotiv und so starteten wir unsere in den nächsten Tagen noch stark anwachsende Ansammlung von Straßenbahnbildern.
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Ein nächster Halt ergab sich dann am Parlament, welches im Palácio de São Bento untergebracht ist. Bereits 1598 begannen die Arbeiten an dem Gebäude, doch seine Fertigstellung erfolgte erst 1938. Hervorgegangen ist der Bau aus einem Kloster an dieser Stelle. Interessanter als das Gebäude an sich war ein Haus etwas weiter hinten, dessen Fassade mit einem übergroßen Graffiti geschmückt war in der Form eines Gesichts.
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Von hier schlenderten wir noch ein gutes Stück durch die Stadt, bis wir beim nächsten Ziel, dem Ascensor (bzw. Elevador) da Bica, angekommen waren, einer von drei historischen Standseilbahnen, welche es in der Stadt gibt. Die Fahrtstrecke ist gut 260m lang und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 45m. Unterwegs boten die schmalen Gassen immer wieder eine Gelegenheit für Detailaufnahmen, wie die nachstehende. Kaum zu glauben, dass auf so kleinem Raum 6 Hauseingänge Platz finden. Aber zurück zu Elevador da Bica.
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Bereits seit 1892 verrichtet die kleine Bahn hier ihren Betrieb, da die Strecke für die Straßenbahnen zu steil war. Die Bahnen haben jeweils zwei Fahrzeuge, welche immer abwechselnd auf- bzw. abwärts fahren. Nachdem der Antrieb in den ersten Jahren noch über Wasserbalast realisiert wurde, werden sie seit 1914 elektrisch betrieben.
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Wir sind mit der Bahn den Hügel nach unten gelaufen und von dort zum Miradouro Santa Catarina, einem der zahlreichen Aussichtspunkte in der Stadt gegangen. Hier bot sich die Gelegenheit, für einen Moment zu entspannen und die Aussicht zu genießen, welche sich uns bei strahlendem Sonnenschein bot.
Am Aussichtspunkt befindet sich auch die interessante Adamastor-Statue. Adamastor ist ein Charakter der griechischen Mythologie. Verschmäht durch die Götting des Wassers Thetis, erscheint Adamastor hier in Form einer bedrohlichen Sturmwolke mit Gesicht. Er wacht so über das Kap der Guten Hoffnung in Afrika. Im entgegen stellt sich Vasco da Gama, der portugisische Seefahrer, der u.a. auch das Kap in Afrika umsegelt hat.
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Damit ging ein recht langer erster Teil des Tages zu Ende und es wurde Zeit, sich etwas zu essen zu suchen. Fündig wurden wir in der alten Markthalle nahe dem Ufer des Tejo. In der Halle haben sich zahlreiche Restaurants angesiedelt, welche für jeden Geschmack das Richtige bereit halten. So gestärkt haben wir im Anschluss eine kurze Pause eingelegt, in der wir schnell ins Hotel sind, um uns auszuruhen und die Ausrüstung für den Abend zu holen, denn wir alle wollten unsere Stative nicht den ganzen Tag mit uns herumschleppen.
Wenig später haben wir uns dann alle am Cais do Sodre wiedergetroffen und sind von hier mit der modernen Niederflurstraßenbahn am Ufer des Tejo weitergefahren bis zum Mosteiro dos Jerónimos, einem Kloster, welches zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Während die beiden Mädels sich lieber dem Brunnen vor dem Kloster gewidmet haben (Pia und Wasser – eine perfekte Fotoverbindung), sind Tamas und ich kurz hinein gegangen.
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1501 wurde mit dem Bau des Klosters begonnen. Zuvor war Vasco da Gama erfolgreich von seiner ersten Reise nach Indien heimgekehrt. Seine Expeditionen und der daraus folgende Seehandel ermöglichte mit seinen Einnahmen erst den Bau eines solch prächtigen Baus. Es dauerte exakt 100 Jahre, bis das Kloster fertiggestellt wurde und bestand dann für fast 300 Jahre, bevor Napoleon große Teile zerstörte. 1880 wurde dann der Sarkophag mit den Überresten Vasco da Gamas in der Klosterkirche untergebracht.
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Das Kloster ist insbesondere von Außen beeindruckend und hat einen schönen Innenhof, während es ansonsten eher schlicht gehalten ist. Insofern waren wir auch nicht allzu lang drin gewesen, zumal die Mädels ja draußen gewartet hatten.
Nachdem auch wir beiden dann draußen ein paar Bilder beim Brunnen gemacht hatten, zogen wir uns zu einem Café ins Kulturzentrum von Belém zurück, um noch einen Moment zu verschnaufen, bis es zum Turm von Belém zum Sonnenuntergang ging.
Direkt am Ufer des Flusses befindet sich das Denkmal der Entdecklungen, ein riesiger Betonblock, an dessen Seiten sich 33 wichtige Persönlichkeiten befinden, so u.a. auch wieder Vasco da Gama. An der Spitze des Denkmals steht jedoch ein anderer: Heinrich der Seefahrer, der als Begründer der Seemacht Portugal gilt.
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Von hier ging es es dann entlang des Ufers bis zum Turm von Belém, hinter dem sich die Sonne bereits senkte, was gute Möglichkeiten bot, den Turm als eine Silhouette zu fotografieren. Um allerdings den Sonnenuntergang rechtzeitig einzufangen, musste ich die anderen irgendwann zurücklassen und bin allein voraus gesprintet bis zum Turm, da es noch ein kleines Hafenbecken zu umrunden galt. Völlig außer Atem kam ich dort an, gerade noch rechtzeitig für zwei drei Bilder, bei denen die Sonne direkt hinter dem Turm stand.
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Viel Zeit für Planung der Fotos blieb da nicht mehr und nach einigen Aufnahmen blieb nur noch das Warten auf die blaue Stunde. Als diese dann kam, haben wir die Zeit genutzt, um mit dem Stativ Langzeitbelichtungen von dem beleuchteten Turm zu machen.
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Damit war der Tag dann aber auch zu Ende und wir sind lediglich noch einen Happen Essen gegangen, bevor es zurück zum Hotel ging nach einem langen aber wirklich schönen ersten Tag in Lissabon, der uns viel Sonnenschein bot, so dass sich die Stadt von ihrer besten Seite zeigte.
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Autor:Jens Koopmann