Dubai die Zweite – Teil 6: Auf ins Nachbaremirat Sharjah

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Unser vorletzter Tag. Irgendwie fehlt mir nachwievor der verlorene Montag von dieser Woche, denn wirklich wie Urlaub hat es sich irgendwie nicht bislang angefühlt – wahrscheinlich, weil es so stressig begonnen hatte. Aber trotzdem hatten wir bislang das beste aus den Tagen gemacht und so hatten wir es auch heute vor. Da in Dubai nichts mehr wirklich zwingend Sehenswertes war (die an sich sehr interessanten Museen im alten Dubai haben Milly eher weniger tangiert), habe ich Milly vorgeschlagen nach Abu Dhabi zu fahren und sich dort die große Moschee anzuschauen. Ich war ja letztes Jahr dort gewesen und bin bis heute der Meinung, dass sie eines der schönsten Dinge ist, die ich bislang auf allen Reisen gesehen habe.
Da ich aber schon dort gewesen bin, war mein Ziel ein weiteres Nachbaremirat Dubais gewesen: Sharjah.

Aber bevor es dorthin ging, begann der Tag wieder um 5 Uhr morgens für mich, denn nach den tollen Bildern, die gestern am Ufer von Business Bay entstanden sind, wollte ich heute den restlichen Teil des Wasserbeckens abgrasen.

      

Es hat sich auch diesmal wieder gelohnt und da heute nicht Freitag war, kehrte auch kurz nach sechs Uhr langsam Leben in die Gegend ein in Form der unzähligen Bauarbeiter, welche mit Bussen aus ihren Wohnlagern herangekarrt wurden.

   

Und das ist so wörtlich zu nehmen, wie ich es hier schreibe, denn der ganze Reichtum und Hochglanz, der Dubais Markenzeichen geworden ist, wurde von Menschen erbaut, die für wenige Hundert Euro im Monat hier schuften und das sowohl bei erträglichen 25 Grad im Winter, wie auch bei fast 50 Grad im Sommer. Diese Menschen kommen vornehmlich aus Indien und Pakistan und von ihrem geringen Lohn senden sie in der Regel auch noch einen Großteil in die Heimat. Böse Zungen könnten meinen, das ganze ist eine moderne Form der Sklaverei. Auf der anderen Seite ziehen diese Menschen die Arbeit und den Lohn in Dubai ihrem Leben daheim auf jeden Fall vor, denn dort sind die Umstände meist noch schlechter.

Ich habe meine Morgenrunde heute aber nicht so lang ausgedehnt wie gestern und so war ich um kurz nach sieben Uhr wieder zurück im Hotel und konnte mich dort dann noch etwas ausruhen, bis es nach Sharjah ging.
Milly war zwischenzeitlich auch aufgestanden und kurz vor 10 Uhr dann abreisebereit, so dass wir gemeinsam das Taxi zur Metrostation Business Bay nehmen konnten. Von dort gingen wir dann getrennter Wege. Milly nahm die Metro nach Ibn Battuta, von wo der Inter-Emirate Bus E101 nach Abu Dhabi fährt, während ich in die entgegengesetzte Richtung nach Deira City Center gefahren bin, von wo die Busline E307 nach Sharjah fuhr.
Nach der Ankunft in Deira City Center habe ich auch direkt einen Bus bekommen und nach knapp 30 Minuten war ich auch schon am Busbahnhof von Sharjah.

Nun musste ich mich erst einmal orientieren. Da es gerade rund um die Mittagszeit war, wollte ich zunächst ins Museum für Islamische Kultur gehen, denn Sharjah gilt als das Kultur-Emirat und ist unter anderem bekannt für seine Museen. Dorthin waren es rund 2km Fußweg, doch bevor ich diesen angetreten hatte, bot sich noch ein Rundgang über den Obst- und Gemüsemarkt an, welcher direkt am Busbahnhof gelegen ist. Sharjah zeigt sich hier viel traditioneller als es Dubai in seinen urigsten Ecken ist und die Leute scheinen hier noch einem typisch arabischen Leben nachzugehen.
Direkt hinter dem Markt befand sich auch das zentrale Schlachthaus der Stadt, dessen Mauern von Metzgereien gesäumt sind, welche das Fleisch direkt zum Verkauf feilboten.


 
 

Danach bin ich der Al Mareija Street bis zum Meer gefolgt, wo ich auf die Corniche Street gebogen bin. Ab hier konnte ich dann dem Treiben auf diesem Meeresarm folgen, wo Abras und Handelsschiffe stetig hin und her fuhren.
Einziger Nachteil auf diesem Weg war der mangelnde Schatten, denn die entlang der Corniche angepflanzten Bäume boten nur partiell Schutz vor der Sonne.


  

Aber irgendwann hatte ich dann das Museum für Islamische Kultur gefunden und war froh, endlich wieder in klimatisierten Gefilden zu sein. Das Museum ist in einem Gebäude untergebracht, in dem sich früher ein Souk befand. Es ist somit ein Beispiel für die Einstellung in Sharjah, Altes nicht einfach zu zerstören, um Platz für Neues zu gewinnen, sondern Neu und Alt miteinander zu verbinden.
Der Besuch im Museum lohnt durchaus. Für 5 Dirham (rund 1 EUR) erfährt man einiges über die Religion des Islam, seine Geschichte, bedeutende Erfindungen in der islamischen Welt sowie über Kunst, Kultur und Architektur im Islam. Ich war knapp 1,5 Stunden hier gewesen und hätte sicher auch noch länger bleiben können, wäre meine Aufnahmefähigkeit nicht irgendwann erschöpft gewesen. In dem kleinen Café im Museum hatte ich mich dann schließlich noch gestärkt, bevor ich mir dann noch die schöne Kuppel mit dem Abbild des Sternenhimmels angeschaut hatte.

 
  

Danach bin ich langsam wieder zurück gelaufen, diesmal aber nicht am Ufer, sondern auf der anderen Straßenseite oder durch Parallelstraßen. Als nächstes kam dabei das Art Center, welches ein Platz für die Kunst in Sharjah sein soll und wo Galerien und Ateliers ihren Sitz finden sollen. Sollen deshalb, weil bis auf den Namen bislang nur vereinzelt etwas davon schon Realität ist. Die eigentliche Kunst spielt sich eine Häuserreihe weiter hinten ab, wo das Kunstmuseum untergebracht ist, was allerdings heute nicht auf meinem Programm stand.


      

Stattdessen ging es weiter durch die Gassen bis zum alten Fort Al Hisn, welches einst der Verteidigung Sharjahs und als Sitz der Verwaltung diente und heute ein Museum beherbergt.
Auch dieses Museum kostete wieder 5 Dirham Eintritt, was einige Touristen vor mir bereits abgeschreckt hat, die doch frech fragten, ob das hier nicht doch kostenfrei sei. Über die Preise in den Museen in den Emiraten kann man sich nun wirklich nicht beklagen.
Kurz nach dem Eingang kommt man als erstes in den Gefängnisturm. Damals wie heute waren die Gesetze in dieser Region sehr streng (Sharjah gilt bis heute als strengstes der Emirate) und dies war auch notwendig, um den Frieden und damit den Wohlstand aufrecht zu erhalten.


 

Die dann folgenden Räumen beleuchteten die Geschichte der Al Qawasim, dem Stamm, der über die letzten Jahrhunderte diese Region beherrscht hat. Auch die Geschichte der aktuellen Herrscherfamilie wird näher beleuchtet und zeigt, dass die Herrscher von Sharjah und Ras al Kahman der gleichen Linie entspringen, welche sich erst vor nicht allzu langer Zeit geteilt hat.
Zeitweise übernahm sogar der Scheich von Ras al Kahman wieder die Herrschaft über Sharjah, aber nur treuhänderisch, bis der älteste Sohn des damals verstorbenen Scheichs von Sharjah alt genug war, um selbst das Amt auszuüben. Doch wie so oft kleben Persönlichkeiten an der Macht und so brauchte es einen Putsch, um dem rechtmäßigen Erben Sharjahs zu seiner Bestimmung zu verhelfen.


Das das Fort heute noch besteht ist dem aktuellen Scheich von Sharjah zu verdanken. Er befand sich gerade auf einer Reise, als ihn die Nachricht vom geplanten Abriss des Forts erreichte. Er brach die Reise darauf hin sofort ab und reiste zurück, um die Zerstörung zu stoppen, doch als er ankam, standen lediglich noch ein Turm und ein paar Reste der Mauern. Doch diese waren zumindest gerettet und der Scheich ordnete in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts den Wiederaufbau des Forts an, welcher mit den traditionellen Methoden des ursprünglichen Baus vorgenommen wurde. Insofern ist nicht mehr vieles vom Fort, wie man es heute besichtigt, im Original erhalten und die Innenräume sind mehr Nachbildungen alter Räume oder aber Fotoausstellungen. Trotzdem ist der Besuch interessant gewesen und vermittelte etwas von der Geschichte dieses Emirats.

Nachdem ich hier alles gesehen hatte, sollte mich laut meinem Reiseführer die schönste Altstadt aller Emirate erwarten, wo traditionelles Leben eingezogen ist, umgeben von Museen und einem Basar. Nun weiss ich nicht, in welcher Altstadt der Autor meines Reiseführers gewesen ist, doch die Realität in Sharjah stellte sich mir leider etwas anders dar.
Es stimmt zwar, dass man hier versucht hat, die traditionelle Bauweise der Emirate zu bewahren, doch dies allein verleiht dem ganzen noch keinen Charme, solange keine Menschen hier sind und in der Tat war die gesamte Gegend ziemlich menschenleer. Es erinnerte mich an das Heritage Village in Dubai, was ebenfalls in den blumigsten Beschreibungen in meinem Reiseführer gelobt wurde, in der Realität dann aber eher ein menschenverlassener Ort war. Insofern war ich hier deutlich schneller durch, als gedacht und selbst der Besuch auf dem Souk war nur von kurzer Dauer, da sich hier gerade ein handfester Streit zu einer Schlägerei zu entwickeln drohte und ich so lieber das Weite gesucht hatte.

Ich bin dann wieder zurück zum Busbahnhof gelaufen und kam dabei unterwegs am Tier- und Vogelmarkt vorbei. Der Name war hier Programm, denn hier konnte man fast alles kaufen, was sich Tier nennt. Vom Falken über Schildkröten bis hin zu Tauben, Hühnern, Kaninchen und Katzen. Die meisten Tiere leben hier in winzigen Käfigen unwürdig zusammen und vielen sieht man den Stress dieser Situation durchaus an. Aber es ist irgendwie auch Teil des traditionellen Lebens hier, insofern muss man es nicht gut finden, wohl aber respektieren.

      
 

Am Busbahnhof angekommen, habe ich dann ein Taxi genommen, um bis zur Al Majaz Waterfront zu fahren. Hier steht inmitten einer Grünanlage eine kleine Moschee. Zudem finden hier jeden Abend Wasserspiele mit Musik statt. Eigentlich wollte ich mir diese auch heute anschauen, doch Milly saß bereits wieder im Bus von Abu Dhabi zurück nach Dubai und wollte Abends noch auf den Souk. Also habe ich die Wasserspiele kurzerhand vom Plan gestrichen und damit auch den Aufenthalt hier an der Al Majaz Moschee, denn ich hatte auf der Fahrt hierhin eine noch schönere Moschee gesehen, ebenfalls am Wasser gelegen und nicht weit entfernt.

   

Bevor ich dorthin gegangen bin, habe ich aber erstmal einen Moment verschnauft. Die zweite Moschee, welche etwas weiter die Corniche aufwärts liegt, ist die Al Noor Moschee. Sie fällt vor allem durch ihre zahlreichen Kuppeln auf, welche an die Moscheen in Istanbul erinnern. In der Tat ist die Moschee im türkischen Stil erbaut und wie oft bei Moscheen, sieht man ihnen nicht wirklich an, ob sie alt oder neu sind. In diesem Fall ist das Gebetshaus erst 2005 fertiggestellt worden. Insgesamt hat die Moschee 34 Domkuppeln, wovon die höchste 31m in den Himmel ragt.



   

Die Moschee wird am Abend auch beleuchtet und so habe ich hier die restliche Zeit bis zum Sonnenuntergang verbracht und noch ein paar Fotos rund um das Gebäude gemacht.

 
 
 
   

Als die Sonne dann schließlich untergegangen war (der Rest der Skyline bot nur mäßige Fotogelegenheiten), bin ich dann auf die Suche nach dem Bus gegangen. Laut dem Plan sollte eine Haltestelle ganz in der Nähe auf der King Faisal Road sein und zu der bin ich dann auch hingegangen. Tatsächlich kam der Bus dann auch dort vorbei, nur hat er dort nicht gehalten. Ich und ein weiterer potentieller Fahrgast bleiben insofern am Straßenrand stehen, während uns der Bus in Richtung Dubai passierte.
Also brauchte ich ein Taxi, um wieder zum Busbahnhof zu kommen. Da aber gerade Berufsverkehr war, war es gar nicht so einfach, ein nicht schon belegtes Taxi zu finden. Und als ich dann schließlich eins gefunden hatte, kam mir die Tatsache des Berufsverkehrs in Form eines Staus abermals in die Quere.
Schließlich habe ich es dann mit einer halben Stunde Verspätung doch noch zum Busbahnhof geschafft und dort dann auch direkt einen Bus nach Dubai bekommen, der gottseidank halbwegs durch den Verkehr durchkam, so dass ich Milly schließlich kurz nach 8 Uhr in Dubai wiedergetroffen habe.
Wir sind dann gemeinsam erstmal kurz noch was essen gegangen und danach haben wir mit der Abra – den kleinen Holzschiffen, die auf dem Creek fahren – auf die Deira-Seite übergesetzt.

 

Dort waren wir noch kurz über den Gewürzmarkt und den Goldsouk spaziert, so dass Milly diese beiden Ort auch noch sehen konnte, bevor es dann aber höchste Zeit wurde, ins Hotel zurückzukehren und diesen Tag damit auch zu beenden.

Im Hotel gab es dann noch einen weiteren Schreck. Bei der Hinreise muss ich irgendwo zwischen dem Flieger nach Dubai und dem Hotel Atlantis meine Jacke samt meinem Schlüsselbund verloren haben. Leider wurde sie im Atlantis auch nicht gefunden und auch am Flughafen Dubai gab es kein entsprechendes Fundstück. Irgendwie passte dies aber auch zu dieser verkorksten Hinreise, was aber meiner Stimmung für die Nacht dennoch nicht sonderlich zuträglich war.

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Autor:Jens Koopmann