Der letzte Ton ist längst verklungen

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Im März diesen Jahres hatte ich Gelegenheit, einen der wohl bekanntesten Lost Places in Deutschland zu besuchen: die Beelitzer Heilstätten. Die ehemalige Heilstätte für Lungenkranke ist ein riesiges Areal mit zahlreichen Gebäuden, die alle wie verwunschen und verlassen darauf warten, jemandem ihre Geschichte zu erzählen.

Vorweg: das Gelände befindet sich in privatem Besitz und das Betreten ist grundsätzlich nicht erlaubt, es sei denn man tut dies im Rahmen einer Fototour, wie ich es getan habe. Angeboten werden solche Touren von go2know.

Aber zurück zum Foto, was ich heute zeige. Das Bild entstand in der großen Eingangshalle mit Konzertsaal der Männerklinik. Das Gebäude wird auch Whitney Houston Haus genannt- warum, weiss ich allerdings nicht. Die große Bühne, die Rosette und das alte Klavier im Vordergrund sind die Stars dieses Gebäude, welche das am besten erhaltene auf dem Gelände ist. Am besten ist allerdings relativ zu sehen, denn insgesamt ist das gesamte Areal schon sehr heruntergekommen. Viele Räume sind nur noch ein verfallener Rohbau und von der ehemaligen Nutzung finden sich nur noch wenige Zeugnisse. Das heisst nicht, dass sich ein Besuch nicht lohnt, nur sollte man keine Wunder erwarten. Immerhin schloss die Lungenklinik bereits nach dem 2. Weltkrieg in ihrer ursprünglichen Form die Pforten und wurde dann zum Militärkrankenhaus der Roten Armee, was es bis 1994 blieb. Bekanntester „Patient“ vor der Schließung war Erich Honecker, der hier die letzten Tage vor seiner Ausreise nach Moskau 1991 verbrachte.

Seit 1994 stehen die Gebäude nun leer und nach einigen gescheiterten Investoren verfallen sie so nach und nach und die bis jetzt verstrichenen 22 Jahre haben deutliche Spuren von Vandalismus hinterlassen. Nur ganz wenige Teile sind renoviert und das meist aufgrund von Filmaufnahmen, die ab und zu hier auf dem Gelände stattfanden, wie z.B. für den Film Operation Walküre mit Tom Cruise.

Für dieses Bild habe ich mich für eine recht drastische Bearbeitung entschieden, um dem Bild den Charakter einer alten Aufnahme zu geben. Neben starken Kontrasten gehört dazu auch der Licht- und Schärfeabfall zu den Rändern und natürlich die Bearbeitung in schwarzweiss. Auf diese Weise erscheint der Raum auf dem Bild weniger verfallen und mystischer. Die Größe der Bühne und das verlassene Klavier lassen zudem das Gefühl der Leere, die den ganzen Ort umgibt lebendig werden. Durch die Unschärfe zum Bildrand hin, ist es zudem wie ein Blick durch ein Schlüsselloch – quasi ein Blick in die Vergangenheit.


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Autor:Jens Koopmann