Der Aufbau eines kleinen Fotostudios – Teil 4: Licht will geformt werden

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Fotografieren bedeutet das Einfangen von Licht – es ist Lichtmalerei. Und der Vorteil eines Studios ist, Licht präziser als draußen steuern zu können. Bislang haben wir dies durch die Festlegung entsprechender Räumlichkeiten und eines Hintergrundes getan und haben das Licht zunächst nur als großes ganzes diskutiert.

Egal welche Lichtquelle wir nutzen, sie wird zunächst nur eine Form von Licht senden – mehr oder weniger gerichtes Licht (Blitze) oder Streulicht (Glühbirnen). Da jedoch bereits kleine Veränderungen beim Licht einen großen Effekt im Foto haben können, gibt es zahlreiche Helfer, die Licht verändern bzw. es formen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten Licht zu beeinflussen:

  • Licht weicher gestalten, d.h. Streuung des Lichtes
  • Licht härter gestalten, d.h. eine Einschränkung des Lichtwinkels

Um das Licht zu modifizieren/steuern gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln. Eine (sicher unvollständige) Aufstellung ist nachfolgend:

  • Licht weicher machen
    • Schirme:
      • Durchlichtschirme
      • Reflexschirme
    • Diffusoren
    • Softboxen
    • Beauty-Dishes
    • Bouncer
    • Globes
  • gerichtetes Licht erzeugen
    • Snoot
    • Wabenvorsatz
    • Scheuklappen
    • Zoom-Reflektor im Blitz
    • Reflektoren

Als erstes geht es um die Gruppe der Lichtformer, die das Licht weicher machen:

Fangen wir mal ganz preiswert an: Bouncer

Ein Bouncer passt in jede Tasche und wird einfach auf den Blitz gesteckt. Er sorgt dafür, dass das Licht getreut wird, nicht nur frontal, sondern auch nach den Seiten. Ihn gibt es bereits für wenige Euro. Aufgrund seiner Kompaktheit eignet er sich auch für unterwegs.

Nicht viel teurer: Schirme

Schirme gibt es in verschiedenen Größen. Kleinere haben ca. 80cm Durchmesser, große können auch über 2m gehen. Schirme ermöglichen eine sehr breite Verteilung des Lichts, da sie es über eine große Fläche reflektieren. Das Licht wird so sehr weich und umschließt das Fotosubjekt. Sie erzeugen allerdings auch viel (z.T. unerwünschtes) Streulicht, was z.B. Hintergründe mit beleuchtet.

Zu unterscheiden ist zwischen Durchlicht und Reflexschirmen. Bei Durchlichtschirmen steht der Schirm zwischen Licht und Aufnahmeobjekt. Das Licht muss also durch den Schirm durch. Hierbei geht eine Menge an Helligkeit verloren – mehr als bei Reflexschirmen. Dafür ist das Licht am Ende weicher.

Bei Reflexschirmen ist das Licht zwischen Schirm und Aufnahmeobjekt. Das Licht wird also gegen den Schirm gestrahlt und von dort reflektiert. Es ist damit etwas gerichteter als bei Durchlichtschirmen und auch etwas härter.

Preiswerte Schirme bekommt man schon ab 10 EUR. Für den Anfang sicher ein sinnvolles Zubehör.

Ähnlich wie ein Schirm: Diffusor

Ein Diffusor ist quasi wie ein Schirm. Im Unterschied zum Schirm wird er meist im Freien benutzt, um das direkte Sonnenlicht zu streuen. Sie sind meist in Sets für Faltreflektoren enthalten und bereits ab 20 EUR erhältlich.

Licht in alle Richtungen: Globes und Domes

Ein Globe sieht aus wie eine Glühbirne, die auf den Blitz gesteckt wird und seine runde Form tut genau das, was eine Glühbirne ebenfalls tut – Licht in alle Richtungen senden. Dieses Licht ist ebenfalls sehr weich. Eine einfache Möglichkeit einen solchen Lichtformer preiswert selbst zu bauen findet ihr hier: http://www.instructables.com/id/DIY-Gary-Fong-Lightsphere/?ALLSTEPS

Der Standard: Softboxen

Meist ganz vorn, wenn es um Lichtformer geht, stehen die Softboxen. Leider sind sie auch beim Preis recht weit vorn. Softboxen gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Die gängigen sind 40x40cm und 60x60cm, d.h. quadratische Softboxen, oder 60cm im Durchmesser bei einer Achteckbox. Für Oberkörper-/Kopfportraits im kleinen Studio ist eine 40×40 Softbox meist schon ausreichend. Sie gibt es ab 45 EUR zu kaufen. Wer zu Beginn nur plant sich einen Lichtformer zuzulegen, sollte die Softbox wählen.

Etwas spezieller: Beautydish

Beauty-Dishes erzeugen ein etwas härteres Licht, was zu stärkeren Kontrasten führt. Ich habe bislang keine Erfahrung damit und Vergleichsbilder im Netz machen für mich jetzt nicht einen so großen Unterschied, als dass ich mir dieses Zubehör noch schnell kaufen müsste, zumal ein Beauty-Dish nicht zu den günstigen Lichtformern zählt.

Mein Fazit zu den Lichtformern, die das Licht weicher machen:

Ich würde immer ein Softbox empfehlen. Wenn noch etwas Geld übrig ist, können für kleines Geld auch noch ein paar Schirme gekauft werden. Z.B. Softbox, 2x Durchlichtschirm 84cm und 2x Reflexschirm 84cm = 90 EUR Gesamtkosten.

Und nun zu den Lichtformern, die das Licht bündeln:

Der Eingebaute: Zoom-Reflektoren im Blitz

Wer einen Aufsteckblitz hat, der über einen Zoomreflektor verfügt, hat damit einen kleinen eingebauten Lichtformer. Um das Licht zu bündeln, ist der Reflektor einfach in die maximale Zoomstellung zu bringen. Dadurch wird der Lichtkegel entsprechend eingegrenzt. Sicherlich nicht so effektiv wie Waben oder ein Snoot, aber besser als nichts. Vor allem aber, kostet dies nichts extra.

Der Mischling: Reflektor

Reflektoren haben zwei Funktionen. Sie machen Licht einerseits weicher und auf der anderen Seite leiten Sie Licht in die gewünschte Richtung. Faltreflektoren mit diversen Überzügen gibt es für unter 20 EUR. Wer nur einen Aufheller braucht, kann auch eine Styroporplatte für 1 EUR aus dem Baumarkt nehmen.

Durch den Rüssel: Snoots

Ein Snoot ist quasi ein Schlauch, der auf den Blitz gesteckt wird. Damit wird das Licht in seiner Ausbreitung gehindert und ein schöner kleiner Lichtkegel erzeugt. Snoots im Fotohandel können reichlich teuer sein (bis 40 EUR). Mit ein wenig Bastelgeschick kann man diese aber auch ganz einfach selber bauen. Ein guter Link hierzu ist hier:

http://www.thomas-schwenger.de/index.php?ch=kh&sub=sub_tt&pg=lm

Ein selbst gebastelter Snoot ist auf jedenfall zu empfehlen. Ich habe für meine einfach 2 Bögen A3-Moosgummi gekauft und Klettband. Daraus habe ich 2 Snoots und zwei Scheuklappen erhalten für knapp 7 EUR.

Enger als eng: Wabenvorsätze

Wer das Licht noch stärker fokussieren möchte, als mit einem Snoot, kann zu Wabenvorsätzen greifen. Hierbei handelt es sich um einen Vorsatz, bei dem das Licht durch viele kleine Röhren muss, bevor es rauskommt. Dadurch wird es sehr eng gebündelt. Je kleiner der Durchmesser der Röhren, desto stärker die Fokussierung. Auch hier kann man wieder selbst Hand anlegen und mit ein paar Strohhalmen was basteln. Sets aus dem Handel kosten 25-40 EUR.

Ein Lichtkäfig: Scheuklappen

Scheuklappen können die Ausbreitung des Lichts in einzelne Richtungen einschränken. Dies ist z.B. hilfreich, um Streulicht aus bestimmten Richtungen zu unterbinden. Auch diese kann man sich selbst basteln. Zu kaufen gibt es Streuklappen ab 30 EUR.

Fazit:

Meine Empfehlung hier: 1-2 Snoots mit unterschiedlicher Länge selbst bauen und vielleicht noch ein paar Scheuklappen. Das ganze kostet dann unter 10 EUR.

Wer es also ganz günstig mag, kauft 1-2 Schirme für zusammen 20 EUR und bastelt sich noch Snoots und Scheuklappen für 10 EUR und hat für 30 EUR schon einiges an Möglichkeiten, dass Licht zu formen. Wer noch 50 EUR mehr übrig hat, sollte in eine Softbox investieren.

Damit sind wir auch mit den Lichtformern durch. Im nächsten Teil werfen wir dann einen kleinen zusammenfassenden Blick auf unser Studio, bevor wir im Anschluss mit den ersten Aufnahmen loslegen.


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Kommentare

  • Moinsen Jens,
    Deine Beiträge zu deinem kleinen Fotostudio finde ich sehr gelungen. Das wollte ich an dieser Stelle mal schreiben. Du schreibst es aus der Sicht eines ambizonierten Fotografen und nicht aus der Sicht eines Profis wo es immer nur das Beste seine muss. Ich glaube gerade für Einsteiger, die ab und an mal auf so eine Ausrüstung zugreifen wollen ist es genau das richtige. Ich spiel seit Deinen Artikeln auch mit den Gedanken mal was zu kaufen…. Mal schauen wannn es soweit sein wird…

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Autor:Jens Koopmann