Der Aufbau eines kleinen Fotostudios – Teil 2: Licht im Fotostudio

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Im zweiten Teil dieser kleinen Serie soll es um den wohl wichtigsten Faktor im Fotostudio gehen: Licht. Licht ist dabei grundsätzlich in zwei Fragestellungen zu unterteilen, welche ich auch hier in zwei verschiedenen Teilen behandeln werden:

  1. Wie wird das Licht erzeugt?
  2. Wie forme ich das erzeugte Licht nach meinen Bedürfnissen?

In diesem Teil geht es zunächst nur um die erste Fragestellung. Die zweite Frage werde ich in einem der nächsten Teile näher beleuchten.

Bei der Erzeugung von Studiolicht gibt es grundsätzlich folgende Alternativen:

  1. Dauerlicht
    • Außenlicht/Tageslicht (i.W. durch Fenster)
    • Kunstlicht (z.B. Zimmerbeleuchtung oder Baustrahler)
    • Tageslichtlampen
  2. Blitzlicht
    • Systemblitz
    • Studioblitz

Die Gliederung macht bereits deutlich, dass ich die große Unterscheidung zwischen Dauerlicht und Blitzlicht mache. Intuitiv liegt dabei die Vermutung nahe, dass Dauerlicht komfortabler und einfacher zu handhaben sei, da es ja direkt das Ergebnis zeigt. Dies ist im Prinzip auch richtig. Diesem Vorteil stehen aber auch einige Nachteile gegenüber, die die Entscheidung für Dauerlicht etwas schwerer machen. Hierzu gehen wir die drei Arten von Dauerlicht einmal gesondert durch:

Außenlicht/Tageslicht

Außenlicht, welches z.B. durch ein Fenster hineinkommt, hat einen großen Vorteil: es hat ein Tageslichtspektrum, d.h. die Kamera hat es recht leicht, den Weißabgleich vorzunehmen. Zudem ist Tageslicht relativ hell – heller als es die meisten Glühbirnen sind, d.h. ein Fotografieren aus der Hand ist oft möglich. Nachteil ist jedoch, dass dieses Licht meist nur aus einer Richtung kommt und fasst nicht formbar ist. Die Möglichkeiten Ideen damit umzusetzen sind folglich nur sehr eingeschränkt. Tageslicht ist somit lediglich eine Lösung für den Ausnahmefall (und natürlich für Outdoor-Shootings). Für ein Studio kommt diese Beleuchtung als Standard eher nicht in Betracht.

Kunstlicht

Kunstlicht ist eine naheliegende Beleuchtung, haben doch die meisten Räume bereits Lampen installiert. Kunstlicht ist zudem in verschiedenen Stärken erhältlich, kann gedimmt werden und lässt in Teilen sogar eine Lichtformung zu. Eine besonders günstige Form der Kunstlichtbeleuchtung sind Baustrahler, welche mit bis zu 500W auch noch recht stark sind. Doch die Nachteile von Kunstlicht sind auch nicht zu übersehen. Zunächst haben Kunstlichtlampen ein anderes Lichtspektrum als Tageslicht, welches über einen angepassten Weissabgleich in der Kamera ausgeglichen werden muss. Desweiteren ist Kunstlicht bei weitem nicht so hell wie Tageslicht oder Blitzlicht (es sei denn, man stellt eine Amada von Lampen auf). Zum Vergleich ein Beispiel:

  •  Ein normaler Kamerablitz feuert in weniger als einer 160tel Sekunde (Blitzsynchronzeit) eine Energiemenge von ca. 50 Joule ab (Quelle: http://foto.beitinger.de/leitzahl/index.html)
  • Auf eine Sekunde gerechnet entspricht dies einer Leistung pro Sekunde von 50*160= 8000 Joule = 8kW
  • Ein Baustrahler mit 500W gibt vereinfacht pro Sekunde 500 Joule ab = 0,5kW
  • D.h. ein kleiner Aufsteckblitz entspricht vereinfacht gerechnet 16 Baustrahlern à 500W

Die Lichtsteuerung mit Lampen ist zudem nur eingeschränkt, was auch mit der Leistung zusammenhängt, denn Lichtformer kosten meist auch Lichtstärke und da diese von vornherein nicht so hoch ist, wird es mit Lichtformern quasi zur Pflicht, ein Stativ einzusetzen.

Achso, einen Nachteil haben Halogenlampen und Baustrahler auch noch: sie werden heiß – sehr heiß! Angenehmes Arbeiten sieht anders aus, ganz davon abgesehen, dass es auch nicht ungefährlich ist. Eine Alternative sind sogenannte Fotolampen. Auch sie haben zwischen 500 und 1500 W, besitzen aber z.T. einen eingebauten Ventilator. Heiß werden sie aber auch…

Tageslichtlampen

Für Tageslichtlampen gilt quasi alles, was auch für Kunstlicht gesagt wurde, mit einer Ausnahme: der Weissabgleich ist nahe am Tageslicht (daher der Name).

Ich hatte mich zunächst auch für Dauerlicht interessiert und zwei Lampen mit je 45W Energiesparleuchten angeschafft (entsprechen zusammen 650W einer normalen Glühbirne). Damit konnte ich Belichtungszeiten von bestenfalls 1/50tel Sekunde bei ISO400 und F4 erreichen. Bei einer solchen Belichtungszeit ist aber auch klar, dass man sehr viel Hintergrundlicht mit auf das Bild bekommt. Optimale Ergebnisse waren es jedenfalls nicht, weswegen ich mich schon kurz darauf umentschieden hatte. Gottseidank war meine Investition nicht groß (knapp 50 EUR), wobei ich die beiden Leuchtenstative und Durchlichtschirme (zusammen ca. 40 EUR) ja weiter benutzen kann. Die restlichen 10 EUR waren Lehrgeld. Ein weiterer Nachteil dieser Leuchten ist, dass sie nicht regelbar / dimmbar sind.

Ganz nutzlos ist solch ein Set aber doch nicht. Man kann durchaus brauchbare Fotos damit machen, nur eben in eingeschränktem Maß. Hier ein Bild von einer Tageslichtlampe, sowie ein Foto, was damit entstanden ist:

Studioblitze

Studioblitze sind quasi der Standard in Fotostudios, zumindest, wenn man das Geschäft professionell betreibt. Studioblitze haben eine hohe Leistung, die den Einsatz von Lichtformern möglich macht, verfügen über entsprechendes Zubehör zur Lichtführung, haben ein tageslichtähnliches Licht und sind nicht so teuer, wie man oft glaubt. Einfachste Blitze bei Ebay (ohne das ich diese jetzt empfehlen würde) gibt es für knapp 40 EUR. Sie haben eine Leistung von 120Ws. Professionelle Blitze haben dagegen ein vielfaches an Leistung, kosten jedoch auch ein Vielfaches. Ein Vorteil von Studioblitzen ist, dass sie über ein Einstelllicht verfügen, d.h. ein Dauerlicht, anhand dessen die Blitzwirkung bereits vor der Aufnahme sichtbar wird. Das Einstelllicht ist jedoch viel schwächer als der Blitz.

Fazit: Studioblitze kaufen? Nicht ganz, denn trotz dieser Vorteil gibt es bei Studioblitzen auch Schattenseiten.

Ein Studioblitz ist wie der Name schon sagt, für den Einsatz im Studio konzipiert. Er ist folglich immer von Strom aus einer Steckdose abhängig. Es gibt zwar auch Akkupacks, diese kosten jedoch oft mehr als der Blitz und sind dazu auch keine Leichtgewichte. Ein Studioblitz verfügt zudem über keinerlei Automatik und muss immer manuell genutzt werden. Eine Nutzung an der Kamera als Aufsteckblitz ist nicht möglich (wäre aufgrund der Größe zudem reichlich unbequem). Weiterhin nehmen Studioblitze auch einiges an Platz weg und auch die Kabel sind beim Arbeiten manchmal störend.

Dennoch, wer den Blitz nicht für den Einsatz im Freien nutzen möchte, ist mit Studioblitzen gut bedient. Mit 2 Blitzen ist man am Anfang gut dabei. Einfache Sets bei Ebay (billigste Bauart) kosten mit Stativ ca. 100 EUR für 2 Blitze. Bei besseren Geräten geht es bei 150-200 EUR pro Blitz los – nach oben ohne Grenzen…

Systemblitze

Wer bereits einen normalen Aufsteckblitz zu Hause hat, fragt sich vielleicht, warum er diesen nicht im Heimstudio einsetzen sollte. Und diese Frage stellt sich nicht zu Unrecht, denn die Aufsteckblitze sind für ein kleines Heimstudio durchaus eine Alternative. Aufsteckblitze die entfesselt (d.h. von der Kamera losgelöst im Raum platziert werden) genutzt werden sollen brauchen dabei nicht viele Funktionen. Eine manuelle Steuerung reicht aus. Wichtig ist es dabei, dass die Leistung des Blitzes möglichst genau eingestellt werden kann. Gute Blitze erlauben die Einstellung zwischen 1 und 1/64tel der Leistung in 1/3-Blendenschritten (d.h. in 21 Stufen). Sehr gute Exemplare lassen sich bis auf 1/256tel der Leistung runterregeln.

Verfügen die Blitze auch über einen Automatikmodus (oder sogar TTL), so können sie auch an der Kamera gut verwendet werden.

Preiswerte manuelle Blitze gibt es für rund 40 EUR. Gebrauchte Blitze mit Automatik beginnen ebenfalls in dieser Preisklasse. Meine Empfehlung wären z.B. die Blitze von Metz, wie der Metz 40 MZ 1 (bzw 2 oder 3).

Die Leistung der Aufsteckblitze kommt in der Regel nicht ganz an die der Studioblitze heran, was jedoch in einem kleinen Heimstudio kein allzugroßes Problem darstellt, da die volle Leistung meist nicht benötigt wird. Desweiteren ist das Zubehör etwas eingeschränkter, wobei man trotzdem alles findet und die Dinge in der Regel etwas günstiger als bei Studioblitzen sind. Größter Vorteil ist jedoch die Portablität. Diese Blitze brauchen nur einen Satz Batterien und können so problemlos auch unterwegs eingesetzt werden. Zudem sind sie leicht und kompakt, was ebenfalls den Einsatz unterwegs erleichtert.

Nachteil der Systemblitze ist, dass sie über kein Einstelllicht verfügen, man kann also erst durch Probieren herausfinden, ob das Licht den Vorstellungen entspricht. Da wir als Hobbyfotograf aber meist mehr Zeit mitbringen, als ein Berufsfotograf, der nur wenige Stunden für einen Auftrag hat, ist dies wahrscheinlich für die meisten kein wirkliches Problem.

Ich habe mich nach einem kurzen Dauerlichtausflug für den Einsatz von Systemblitzen entschieden. Da ich bereits einen Metz 40 MZ-1 hatte, habe ich mir noch einen zweiten geholt (einen MZ-2) und habe gleichzeitig noch 2 Blitze für lau dazu erhalten. Mehr zu meiner Bitzausstattung gibt es hier:

Blitzen mit Sony DSLRs /SLTs

Damit ist das Thema, welche Art der Beleuchtung in unser Heimstudio kommt ebenfalls beantwortet (für mich waren es die Systemblitze) und so können wir uns im nächsten Teil dem Hintergrund widmen.


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Kommentare

  • Rolando Chacon 3. Oktober 2015 Antworten

    Hallo, ich finde sehr interessant alles was sie erzählen über Foto Heimstudio,
    meine Frage ist, wie kann man die Studio-blitze mit der Kamera synchronisieren?
    sind diese Lampen mit Fernbedienung ausgestattet?
    MfG
    Rolando

    • Jens 4. Oktober 2015 Antworten

      Hallo Rolando,

      grundsätzlich gibt es hier verschiedene Möglichkeiten. Da wäre zunächst ein Blitzsynchronkabel. Manche haben auch einen optischen Auslöser, der auf einen Signalblitz reagiert. Und schließlich bleibt auch noch die Option, einen Funkauslöser zu verwenden, bzw. manche Modelle haben sogar einen Funkauslöser eingebaut.

      Viele Grüße
      Jens

  • Rainer 28. Februar 2012 Antworten

    War interessant zu lesen und hat mich in meinen Überlegungen weiter gebracht. Bin gespannt auf Teil 3.

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Autor:Jens Koopmann