Der Aufbau eines kleinen Fotostudios – Teil 1: Grundüberlegungen

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In dieser neuen Serie möchte ich den Aufbau meinen kleinen Heimstudios für Fotografie beschreiben, um so dem ein oder anderen, der ähnliche Gedanken hegt, eine Hilfestellung und Ideen zu geben. Um es jedoch gleich vorweg zu schicken: es geht nicht um ein professionelles Studio für den Berufsfotografen, sondern um ein Hobbystudio ohne festen Raum, welches immer einen Kompromiss darstellt. Ich berichte hier von meinen Erfahrungen. Feedback und Verbesserungsvorschläge sind natürlich jederzeit willkommen!

Der Idee zu einem kleinen Studio kam, da ich mir vorgenommen hatte, mich stärker mit der Portraitfotografie auseinanderzusetzen. Nun könnte ich dies auch draußen tun, aber zum in Ruhe üben bei planbaren Bedingungen ist ein Studio schon die bessere Wahl, da hier Beleutung und Umfeld genau abgestimmt werden können.

Nun hatte ich jedoch weder ein fertiges Studio, keinen großen Raum, noch ein riesiges Budget zur Verfügung und so musste ich schauen, was ich trotzdem aus dieser Situation machen kann.

Zu Beginn eines solchen Projektes sollte man folgende Fragen beantworten:

1. Was soll in dem Fotostudio fotografiert werden?

2. Wo soll das Fotostudio entstehen?

3. Welches Licht soll es im Studio geben?

4. Welche Hintergründe und Hintergrundmaterialien sollen verwendet werden?

5. Wie soll das Licht geformt werden?

In diesem ersten Teil soll es um die ersten beiden Fragestellungen gehen. Die weiteren Fragen werden dann in den kommenden Teilen nach und nach behandelt. Vielleicht ist aufgefallen, dass die Frage nach der Kamera nicht auftaucht. Dies ist auch richtig so, denn prinzipiell reicht jede Spiegelreflexkamera aus (einschließlich vieler sonstiger Systemkameras), sofern folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Die Kamera verfügt über einen Blitzanschluss
  • Die Kamera hat optimalerweise einen großen Sensor (APS-C oder Vollformat)
  • Die Kamera hat einen Stativanschluss

Mehr braucht es nicht. Ein Profi oder Berufsfotograf mag weitere Anforderungen stellen. Zwingend notwendig, um Fotos zu machen sind sie jedoch nicht. Sie dienen dann vielmehr dem Komfort.

Was soll in dem Fotostudio fotografiert werden?

Diese Frage ist die wichtigste und sollte von Beginn an gestellt werden, denn aus der Antwort ergeben sich direkt Rahmenbedingungen für die nachfolgenden Fragen und Entscheidungen. Dabei sollten die Überlegungen durchaus detaillierter sein, als nur eine Aussage: „Ich möchte Portraits machen“.

Folgende Aufzählung gibt einen Anhaltspunkt, welche Dinge auf die Liste kommen könnten:

  • Portraits
    • Einzelpersonen
    • Paare
    • Gruppen
    • Kopfaufnahmen
    • Oberkörperaufnahmen
    • Ganzkörperaufnahmen
    • stehend
    • liegend
    • Actionaufnahmen (z.B. auf Trampolin)
  • Stillleben
  • Makros
  • Durchlichtaufnahmen
  • Produktfotografie
  • Große Gegenstände
  • Actionfotos
  • Tropfenfotografie
  • Wasserbewegungen

Diese Liste lässt sich natürlich unendlich fortsetzen. Warum sind diese Fragen so wichtig? Nun sie definieren, welche Orte für ein Fotostudio in Frage kommen, welches Licht benötigt wird usw. Z.B. brauchen Ganzkörperportraits viel mehr Raum, als wenn es nur Oberkörperaufnahmen sein sollen. Bei liegenden Aufnahmen muss dagegen der Raum und Hintergrund entsprechend breit sein. Bei Stillleben reicht ein kontinuierliches Licht, während Actionfotos ohne Blitz kaum möglich sind.

Ich für meinen Teil will im wesentlichen Oberkörperportraits machen, sowie Makros, Stillleben und Tropfenfotografie.

Wenn wir wissen, was wir fotografieren wollen, sollten wir uns der zweiten Frage widmen:

Wo soll das Fotostudio entstehen?

Das Erste was an dieser Stelle eine Rolle spielt, ob ihr einen festen Raum als Fotostudio einrichten wollt bzw. könnt, oder ob ihr auf eine abbaubare Lösung angewiesen seid.

Bei einem festen Raum könnt ihr natürlich mehr machen, da ihr Wände entsprechend streichen könnt, dass sie als Hintergrund dienen, Halterungen anbohren könnt etc. Desweiteren spielt die Packgröße einzelner Komponenten dann weniger eine Rolle.

Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Hobbyfotografen nicht gerade einen extra Raum für ihr Hobby opfern können, so wie es bei mir auch der Fall war. Insofern gilt es einen Raum zu finden, der temporär als Fotostudio umfunktioniert werden kann. Hierfür muss der Raum natürlich über die entsprechende Größe verfügen.

Für kleine Stillleben und Makros reicht schon eine kleine Ecke von 1,5×1,5m. Bei Kopf- und Oberkörperportraits sollte die Breite des Raums schon mindestens 2m betragen und in der Tiefe eher 3-4m. Ganzkörperportrait brauchen noch etwas mehr Tiefe und vorzugsweise auch mehr Höhe. Bei mehreren Personen wird ggf. mehr Breite erforderlich sein. Ihr seht, ist es wichtig, sich im Vorfeld klar zu machen, was man fotografieren will. Übrigens: viele sehen die o.g. Maße noch als zu klein an. Sicher läßt sich darüber streiten, aber die o.g. Maße erlauben zumindest mit Aufsteckblitzen einiges an Variationen.  Wer die volle Freiheit haben will, braucht mindestens 4m Breite und 5m Tiefe und am besten 3m Höhe. Mein ganzes Wohnzimmer wollte ich jedoch nicht gleich dem Hobby Fotografie opfern 😉

Schema eines Studios
Schema eines Studios

Das nächste was ein Fotostudio auszeichnet, ist die Möglichkeit, Licht zu kontrollieren. Um dies zu können, muss natürlich vermieden werden, dass unkontrollierbares Licht in den Raum eindringt, d.h. optimalerweise lässt sich der Raum entsprechend verdunkeln. Es muss hierzu nicht zwingend ein fensterloser Raum sein, denn ab und zu kann das Fensterlicht ja auch zum Fotografieren einladen.

Bei den Wänden sollten möglichst neutrale Farben vorherrschen, d.h. weiss oder Beige. Farbige Wände würden sonst auch farbiges Licht zurückwerfen. Ebenso unpraktisch sind Spiegel, da sie unverhangen das Licht einfach reflektieren, was in der Regel nicht erwünscht ist. Ein richtiges Fotostudio hat dagegen oft schwarze Wände, da diese kein Licht reflektieren. Schwarz ist jedoch in Wohnräumen als Wandfarbe nicht sonderlich beliebt ;-), daher ist weiss (besser: mattweiss) die zweitbeste Wahl, auch wenn man mit den Lichtreflexionen etwas mehr aufpassen muss.

Bei mir haben sich schließlich 2 Räumlichkeiten angeboten:

  • Mein Wohnzimmer bietet mir eine Fläche, die bis zu 4 Meter breit ist und ca. 2m tief. In der Höhe kann ich ca. 2,5m ausnutzen. Eine Verdunklung ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Dennoch kann ich im Winter, wo es meist draußen dunkel ist diesen Platz gut nutzen.
  • Mein Flur bietet einen Raum von 2,3m Breite und 3-4m Tiefe. Da er nicht über Fenster verfügt, kann er auch weitgehend abgedunkelt werden. Damit ist dies ebenfalls ein geeigneter Ort.
Schema meines Flures, der als Heimstudio fungiert

Schema meines Flures, der als Heimstudio fungiert

Da nun das fotografische Spektrum und die Räumlichkeiten feststehen, kann als nächstes die Frage nach dem Licht beantwortet werden. Dazu dann im nächsten Teil!


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Kommentare

  • Thomas Meurer 3. Februar 2016 Antworten

    Ich berichte gerade auf meinem Blog über das Einrichten eines Low Budgets Heimstudio. Bei meiner Recherche bin auf Deinem blog gelandet. Toller Artikel der den Menschen die Angst vor dem Thema nimmt.

    Mit Herz und Seele,

    Tom

  • Martin Kleinheinz 14. Oktober 2015 Antworten

    Toller Artikel! Ich baue gerade auch eins auf und habe um die 4m Höhe, 10m Länge und 4m Breite. Anfangs war ich nicht ganz sicher mit dem Raum, aber inzwischen stehe ich voll dahinter!
    Viele Grüße!
    Martin Kleinheinz

  • Jan 9. Februar 2012 Antworten

    Du hasst eindeutig zuviel Zeit hier zu schreiben 🙂 Feiner Artikel… bin gespannt wie es weiter geht. Ich hege zwar momentan noch keine Ambitionen etwas ähnliches anzuschaffen, aber vielleicht später mal…

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Autor:Jens Koopmann